"Die Mafiosi-Braut" von Jonathan Demme

Ein fliederfarbener Film, zusammengesetzt aus den cremigen Tönen, mit denen Waschmittel werben, und der ganzen Palette orientalischer Gärten. Vom Rot der Gladiolen und dem Gelb der Kürbisse handelt der Film, und davon, wie eine Frau im orangenen Kleid vor leuchtend blauem Himmel aussieht. Die Farben in diesem Film dienen nicht der Stilisierung, sondern sind das, was sie früher mal waren: Luxus, Dreingabe, ein strahlendes Lachein auf der Haut der Bilder. Von Michelle Pfeiffer handelt der Film, dieser porzellanfarbenen blonden Queen, die eine brünett gelockte Mafia-Prinzessin spielt und dauernd davon träumt, ihrem Leben einen neuen Schnitt zu verpassen. Am Anfang lebt sie unglücklich inmitten der "Familie", married to the mob, umgeben von einer Horde aufgedonnerter Luxusweibchen. Dann wird ihr Mann bei einem Seitensprung umgelegt, und sie flieht in ihr früheres Leben zurück. Als sie schließlich einem jungen Mann in die Arme stolpert, glaubt sie, endlich könne alles so sein, wie es sein muß, wenn man verliebt ist. Keine Goldkettchen, kein Blut, kein Ehrenkodex. Leider ist der junge Mann (Matthew Modine) FBI-Agent und der Mafia-Don (Dean Stockwell) ein Lüstling, der so leicht nicht aufgibt.

"Die Mafiosi-Braut" hüpft fröhlich von New York nach Miami, aber der Film erzählt gutgelaunt von dem ganzen Plunder dazwischen: im Tanzschritt durch ein knallvolles Museum der amerikanischen Moderne. So geradlinig Jonathan Demmes Filme anfangen, so leicht lassen sie sich aus der Bahn bringen. Durch ein paar Farben, ein paar Schritte Mambo, durch einen Kuß. Alles ist möglich, nichts ist wahrscheinlich. Aber wahrscheinlich kommt man glücklicher aus dem Kino.

Michael Althen

"The Fruit Machine" von Philip Saville

Voller Arabesken ist dieser Film, voller Brüche in Stil und Story, voller Widerhaken und Widersprüche. Und dabei so unwahrscheinlich, wie es nur das abenteuerlichste Kino sein kann.

Es geht um die waghalsige Flucht ins Leben – vom heimischen Mief in die morastige Fremde. Einen Kostümball in der Transvestitenbar "Fruit Machine". Einen Mord des dämonischen Machetenkillers. Eine Opernsoirée. Eine Luxusvilla in Brighton, direkt am Meer. Eine Delphinshow. Abenteuerliche Stationen zweier Jungs aus Liverpool, die sich lieben inmitten eines lieblosen Chaos. Der naive, verträumte Eddie (Emile Charles), der sich nach einem anderen Leben sehnt, und der harte, nüchterne Mike (Tony Forsyth), der sich immer wieder mit der Realität arrangiert, und die Geschichte ihrer ziellosen Reise durch Maggie Thatchers Wunderland. Philip Saville läßt seiner Phantasie freien Lauf. Er wil ein Bild geben vom Leben und Träumen in dieser Zeit. Die Geschichten, die er und sein Drehbuchautor Frank Clarke erzählen, legen deshalb auch keinerlei Fesseln um das, was sichtbar wird. Sie bieten bloß etwas Hilfe beim Orientieren. Zudem sind die Einstellungen der Kamera betont unfertig komponiert. Sie domestizieren nichts, sondern lassen Raum für Unvorhergesehenes, für Spontanität. So gelingen Bericht und Märchen zugleich: Beobachtung und Erzählung, Dokument und Vision.