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Vollends klar wird der Fall, wenn man jenes Argument betrachtet, das sowohl der Bauernverband als auch das Bonner Landwirtschaftsministerium neben dem "Verbraucherschutz" noch zugunsten des Hormonverbots anführen: Es gibt, so heißt es, ja ohnehin zuviel Fleisch auf der Welt, so daß man es nicht auch noch "künstlich" vermehren müsse.

Wahrscheinlich ist den meisten Beteiligten die Heuchelei gar nicht bewußt, die hinter dieser Argumentation steckt: Das Hormonverbot wird zu einem wohlfeilen Trick, um die weltweiten Fleischüberschüsse ein bißchen abzubauen, und zwar so, daß es den Farmern in Kansas, nicht aber den deutschen Bauern wehtut. Dabei bietet sich gleichzeitig die Möglichkeit, eine wegen zahlreicher Lebensmittelskandale zu Recht sensibilisierte Öffentlichkeit mit einem radikalen, wenn auch sinnlosen, Verbot zu beruhigen.

Das Dumme dabei ist nur: Der Protektionismus der EG-Agrarlobby trifft diesmal kein Entwicklungsland, sondern einen zu Macho-Manieren neigenden Handelspartner. Es zeigt sich, daß die Regierung in Washington nicht gewillt ist, sich Ärger mit ihrer eigenen Fleischindustrie einzuhandeln, die gerade mit erheblichen Investitionen (zwanzig Millionen Dollar in den vergangenen zwei Jahren) einen bescheidenen Marktanteil in Europa aufgebaut hat.

Gatt soll schlichten

Alle Politiker in der Bundesrepublik sind sich inzwischen darin einig, daß der Hormonstreit vor einem Ausschuß des Gatt ihn Genf geschlichtet werden soll. Dies ist jedoch einfacher gesagt als getan. Bisher nämlich konnten sich Europäer und Amerikaner noch nicht einmal darauf einigen, über was man eigentlich in Genf reden will: Für die EG sind die amerikanischen Strafzölle das Thema, für die USA nur das Hormonverbot selbst. Eine erste Gatt-Sitzung am 20. Dezember verlief ergebnislos.

Sollte es tatsächlich noch zu einem Gatt-Verfahren kommen, so scheinen die Karten der Europäer auf den ersten Blick gar nicht so schlecht zu sein: Denn die EG hat sich mit ihrem Hormonverbot auf ein Gatt-rechtlich nur schwer zu klärendes Feld begeben. Sie schreibt den Fleischimporteuren ja keine bestimmte Produktqualität vor, die sie einhalten müssen, sondern verlangt lediglich ein Zertifikat über ein bestimmtes Verfahren der Produktion. Wie viele Hormone in einem Stück Fleisch sind, interessiert die europäischen Einfuhrbehörden gar nicht. Für so einen Vorgang gibt es beim Gatt noch keine Regeln.