Von Nikolaus Piper

Einer der ersten Treffer im neuen Handelskrieg um hormonbehandeltes Fleisch aus Amerika schlug am Buschwerder Hauptdeich in Hamburg ein. Seit dem 1. Januar 1989, 00.01 Uhr muß die Deutsche Extrakt-Kaffee GmbH (DEK) für alle ihre Ausfuhren von Pulverkaffee in die Vereinigten Staaten einen Strafzoll von hundert Prozent bezahlen. Da kein Verbraucher eine solche Preisverdoppelung hinnimmt, kommt der Zoll einem Einfuhrverbot gleich.

In den nächsten Wochen wird die DEK zwar noch keine größeren Probleme bekommen, berichtet Thomas Köhler, ein Prokurist der DEK; schließlich habe man vor Weihnachten durch entsprechende Mehrlieferungen vorgesorgt. Wenn sich der Streit aber über das Jahr hinziehen sollte, "dann wird die Lage ziemlich doof". Von der Gesamtproduktion der bundesdeutschen Pulverkaffeebranche (21 835 Tonnen) werden immerhin über sechs Prozent nach Amerika verschifft. Und da sich dieser Export vor allem auf Kaffee Hag in Bremen und eben die DEK konzentriert, ist der Schaden vor Ort beträchtlich.

Kein Wunder, daß Thomas Köhler, der auch Geschäftsführer des Bundesverbandes der Hersteller von löslichem Kaffee e.V. ist, den unfairen Kampf um hormonbehandeltes Fleisch besonders bitter beklagt: "Ein Handelskrieg ist die unsinnigste Sache der Welt: Man schießt denjenigen tot, dem man eigentlich etwas verkaufen will."

Ähnlich wie Köhler sehen es wohl auch die deutschen Lieferanten von Heimtierfutter, die Fruchtsaftfabriken und die Verarbeiter italienischer Dosentomaten. Sie alle müssen seit Jahresbeginn den neuen amerikanischen Strafzoll bezahlen. Nicht viel anders wird aber auch das Urteil der amerikanischen Rinderzüchter ausfallen: Sie müssen wegen des europäischen Hormonverbots auf Ausfuhren im Wert von hundert Millionen Dollar verzichten.

Ob es bald noch mehr Betroffene geben wird, ist völlig offen. Die EG-Regierungen werden in dieser Woche noch darüber befinden, ob sie die bereits beschlossenen Strafzölle auf Walnüsse, Dörrobst, Dosenmais und andere Produkte aus Amerika in Kraft setzen wollen. Sollte dies geschehen, dann werden die Amerikaner wahrscheinlich die gesamte Fleischeinfuhr der EG im Wert von 450 Millionen Dollar bannen.

Die Ursprünge dieses absurden Handelskrieges liegen bereits mehr als drei Jahre zurück. Damals, im Herbst 1985, forderte das Europaparlament unter dem Druck einer durch mehrere Hormonfleischskandale aufgeschreckten Öffentlichkeit ein Totalverbot für alle Hormone in der Tiermast; der EG-Ministerrat folgte diesem Beschluß – vor allem auf Drängen der Deutschen. Das Verbot sollte zunächst nur für heimisches Fleisch gelten, nach einer Übergangsfrist aber auch für Importe. Der ursprüngliche Termin 1988 wurde auf Drängen der Amerikaner um ein Jahr verschoben; am 1. Januar 1989 jedoch trat das Importverbot endgültig in Kraft und löste nun die amerikanische Gegenreaktion aus.