Der Manager von heute muß nicht nur ein heller, sondern ein ganzer Kopf sein. Er analysiert mit der linken Hemisphäre seines Großhirns Daten und Fakten, entscheidet dann aber im Idealfall intuitiv. Dafür ist seine rechte Gehirnhälfte zuständig. Amerikanische Forscher stellten allerdings fest, daß die meisten Menschen von einer Gehirnhälfte dominiert werden – Manager denken lieber mit links. Um dem Ideal dennoch zu entsprechen, lassen immer mehr Führungskräfte die rechte Hälfte ihres Gehirns trainieren.

Roland Spinola, Leiter der Technisch-wissenschaftlichen Ausbildung im Computerkonzern IBM, fördert in Workshops die Intuition der IBM-Manager und der Führungskräfte aus Unternehmen wie dem Konkurrenten Hewlett-Packard. Als einer von zahlreichen Managementausbildern verkündet Spinola hirnbiologische Methoden in bundesdeutschen Firmen – und trifft damit den Zeitgeist.

Immer häufiger verzichten Managertrainings auf die Vermittlung fachlicher Kenntnisse. Der trendbewußte Aufsteiger mit hoher fachlicher Qualifikation sucht heute vielmehr Hilfe bei der Balance zwischen Arbeit und Muße. Angebote dafür gibt es reichlich.

New Age für Manager bietet zum Beispiel Gerd Gerken in Worpswede bei Bremen an. Dort lassen sich Führungskräfte aus der deutschen Großindustrie nach den Prinzipien des "light age" (Gerken), einer Mixtur aus Bewußtseinserweiterung, Gentechnologie und High-Tech (siehe auch ZEITmagazin vom 8. Januar 1988), trainieren. Unter Gerkens Regie versinken Wirtschaftsgrößen in stille Meditation, und Führungskräfte eines Konzerns ringen um friedliche Zusammenarbeit.

Wie Spitzensportler leisten sich mittlerweile auch moderne Manager auf Firmenkosten einen professionellen Coach. Alle ein bis drei Wochen korrigiert der Privat-Trainer seinen ökonomischen Spitzenspieler. Im vertraulichen Gespräch kann der auch mal über Schwächen klagen, ohne daß ein mißgünstiger Konkurrent gleich am Stuhl zu sägen beginnt.

Trainingsmethoden wie Coaching oder hirnbiologische Schulung entdeckten amerikanische Manager zuerst. Dafür kam ein bundesdeutsches Unternehmen auf die Idee, Philosophiekurse für Pharmaangestellte zu veranstalten. Die Hoechst AG schickte siebzehn Freiwillige in ein allerdings nur eineinhalb Tage dauerndes Seminar. Dort beschäftigten sich die leitenden Mitarbeiter mit Grundproblemen der Moral und der politischen Ethik. Andere Chemieunternehmen folgten dem Beispiel und lassen ihre Mitarbeiter nun auch von Philosophen unterrichten – sie sollen "offener für Zeitfragen" werden, sagt Bernhard Brümmer, Chef der Dow Chemical GmbH in Stade.

Mancher Manager möchte neben Seele und Geist auch seinen Körper, von nächtlichen Sitzungen und Geschäftsessen geschwächt, in Seminaren stählen. Avantgardisten haben bereits das Überlebenstraining in Israel überstanden. In der deutschen Wildnis bietet Kurt Bendlin, ehemaliger Zehnkampf-Weltrekordler und heute Sportförderer beim Computerkonzern Nixdorf, ein einwöchiges "Erlebenstraining" an. Männer und Frauen aus Wirtschaft und Politik leben dabei im Camp bei Maleite in Schleswig-Holstein – ohne Geld, Zeitung und Uhr. Sie angeln sich ihr Mittagessen selbst, stehen Beeren und wünschen sich in kühlen Novembernächten nichts lieber als lange Unterhosen. Beim Brotbacken oder dem Nachtmarsch sollen die Aussteiger auf Firmenkosten Selbsterfahrung sammeln – und dazu noch Teamgeist entwickeln.