Von Karlheinz Dederke

Eine Sammlung von Lebensläufen zur Epoche von Weimar war längst vonnöten. Selten sind in den so beliebten Strukturanalysen, aber auch in ereignisgeschichtlichen Darstellungen genaue Lebensdaten der am historischen Prozeß Beteiligten aufgenommen. Wer sich wenigstens einen Überblick über den Lebensweg der Akteure verschaffen wollte, wer gar über die Stichworte der Enzyklopädien hinaus Literatur zur vertiefenden Beschäftigung suchte, war jedesmal gezwungen, eine mühselige und zeitraubende Expedition auf dem unübersichtlichen Terrain der Spezialliteratur zu unternehmen. Nun wird von zwei Mitarbeitern des Münchener "Instituts für Zeitgeschichte" ein Buch angeboten, das dem abhelfen soll:

  • Biographisches Lexikon zur Weimarer Republik

Herausgegeben von Wolfgang Benz und Hermann Graml

Verlag C.H. Beck, München 1988; 392 S., 49,80 DM.

Das Werk enthält 500 Kurzbiographien, etwa zur Hälfte die von Politikern, zur anderen Hälfte die von Diplomaten, Wirtschaftsführern, Wissenschaftlern, Technikern, Künstlern und Schriftstellern. Die Angaben zum Leben werden ergänzt durch Hinweise auf eigene Werke, auf Sekundärliteratur und den Verbleib des Nachlasses. Aufgenommen wurde nicht nur die politische Führungsspitze, sondern auch regional oder lokal bedeutende Landespolitiker und Oberbürgermeister.

Sehr angebracht ist es, daß verhälnismäßig viele der Leute zu finden sind, die hinter den Kulissen wirkten, Angehörige der Ministerialbürokratie, der Diplomatie, der vielen staatlichen Behörden, der Parteien und Verbände. Sie waren es eigentlich, die Inhalt und Gehalt und nicht selten auch die Richtung der Politik, die Substanz und Form des Verfassungsrechts, der Gesetzgebung und Rechtsprechung bestimmten. Bei dem schnellen Wechsel der Minister während jener dreizehn Jahre mußte es zur "Herrschaft der Staatssekretäre" kommen. Manche der aufgeführten "grauen Eminenzen" waren jedoch nicht so einflußreich wie Elard von Oldenburg-Januschau, Gutsnachbar und Einbläser des Reichspräsidenten von Hindenburg. Gerade über ihn wüßte man gern Genaueres; aber er ist nicht unter den fünfhundert Auserwählten.