Der polnische Wagen steckt im Sumpf und nur ein Zwei-Pferdegespann aus dem Oppositions- und dem Regierungslager kann ihn herausziehen" – so beschrieb Professor Stanislaw Stomma die Lage Polens. Hansjakob Stehle fragte den Senior der katholischen Politiker nach den Perspektiven für 1989.

ZEIT: Werden die Pferde gemeinsam eingespannt?

Stomma: Wir sind in einem Übergangszustand. In dieser politisch wie wirtschaftlich furchtbar schwierigen Situation gibt es auf beiden Seiten noch keine klare, entschiedene Konzeption. Beide Lager sind – höflich gesagt – pluralistisch ...

ZEIT: Also gespalten, aber auch führungslos?

Stomma: Immerhin hat die Opposition in Lech Walesa eine maßvolle vernünftige Spitze; er hat sehr viel gelernt. Wenn sich die Regierung entscheiden könnte, die Solidarność wieder zu legalisieren, dann würde – das ist jetzt die magische These – eine neue Lage entstehen.

ZEIT: Was ist das Hindernis? Risikoscheu, Prestigedenken?

Stomma: Es gibt auch Druck von außen, von den Nachbarländern, und natürlich auch dogmatische Vorbehalte. Aber Gorbatschow hat gezeigt, wie weit man gehen kann. Ich meine, es wäre heute damit zu rechnen, daß Solidarność in einem vernünftigen Rahmen bliebe.