Mit dem neuen SuperPlus verdienen sich die Ölkonzerne eine goldene Nase

Die Mineralölkonzerne wollten das neue Jahr offenbar nicht nur mit guten Vorsätzen, sondern auch mit einer guten Tat beginnen. Denn sie bieten jetzt eine neue Kraftstoffsorte an, die es nahezu jedem Autofahrer möglich macht, bleifrei zu fahren und überdies auch noch Geld zu sparen. SuperPlus heißt das jüngste Kind der Branche. Es ist bleifrei und erreicht mit den Oktanzahlen 98 (ROZ oder Research-Oktan-Zahl) und 88 (MOZ oder Motor-Oktan-Zahl) genau jene Werte, die bisher dem verbleiten Superkraftstoff vorbehalten waren. Und die sind nötig, um hochverdichtete Motoren problemlos betreiben zu können. Darauf gibt es bei den Konzernen sogar eine Garantie, die der Tankwart im Auftrag der jeweiligen Gesellschaft ausstellt.

Weil der neue Kraftstoff je Liter auch noch zwei Pfennig billiger ist als das verbleite Super, hat sich das Geschäft bei Vorreiter Shell schon in der ersten Woche gut angelassen, obwohl es Störfeuer aus der Automobilindustrie gab. Denn BMW mochte seinen Kunden das SuperPlus nicht empfehlen, weil es dafür noch keine DIN-Norm gibt, die die Qualität verbindlich festschreibt.

Die Benzinlieferanten sehen das freilich anders. SuperPlus halte, so Shell-Sprecher Karl Lott, sowohl die von der DIN-Norm 51 600 für verbleites Super vorgegebenen Oktanwerte ein als auch die Kriterien der Norm 51 607 für das bleifreie Euro-Super. Schon am 16. Januar wird sich der Normungsausschuß mit dem neuen Sprit beschäftigen. Bis zur endgültigen Verabschiedung der neuen Norm kann aber noch einige Zeit vergehen. So lange gilt, was Lott selbstbewußt so formuliert: "Wenn wir sagen, wir garantieren es, dann ist das so gut wie eine DIN-Norm."

Wer noch das Lamento der Ölkonzerne über die Sortenvielfalt an den Tankstellen im Ohr hat, muß sich freilich wundern. Denn nicht zuletzt auf Drängen der Branche wurde vor Jahresfrist der Verkauf von verbleitem Normalbenzin verboten. Jetzt tun sich die Unternehmen freiwillig eine vierte Sorte an – mit Diesel sind es sogar fünf. Aber nach dem Grund muß man nicht lange suchen: Geld lockt.

Mit dem neuen SuperPlus geht nämlich ein alter Traum der Alchimisten endlich in Erfüllung: Aus Blei wird Gold. Möglich geworden ist das, weil die Erhöhung der Mineralölsteuer zu Beginn des Jahres die fiskalische Belastung für bleifreien und verbleiten Sprit noch stärker als bisher hat auseinarderdriften lassen. Einschließlich der Mehrwertsteuer, die ja auch auf die Mineralölsteuer erhoben wird, ist die Steuerlast bei SuperPlus um mehr als acht Pfennig je Liter niedriger als beim verbleiten Super. Und weil SuperPlus nur um zwei Pfennig je Liter billiger ist als das verbleite Super, kassieren die Konzerne eine Prämie von gut sechs Pfennig je Liter.

Dafür müssen sie aber auch etwas tun. Denn das dem alten Kraftstoff zur Erhöhung der Klopffestigkeit beigemischte Blei erhöht beide Oktanwerte um jeweils etwa drei Punkte. Das muß nun durch andere Komponenten wettgemacht werden. Noch vor wenigen Jahren sah sich die Ölindustrie außerstande, ein bleifreies Super mit 98 Oktan anzubieten – als Kompromiß wurde das 95oktanige EuroSuper geboren, das zum Betrieb hochverdichteter Motoren nicht ausreicht.