Der Mund ist erstarrt im letzten Schmerzensschrei, das Gesicht unnatürlich rot und blau verfärbt, die glasigen Augen sind aufgerissen vor Entsetzen: Photos von iranischen Toten, die im Krieg gegen den Irak dem Giftgas zum Opfer fielen. Diplomaten aus Teheran verteilten die Bilder auf der "Internationalen Konferenz für die Bekämpfung der chemischen Kriegsführung", die am vergangenen Samstag in Paris begann, mit dem hochgesteckten Ziel, ein weltweites Verbot chemischer Kampfstoffe durchzusetzen.

Die in Paris auf farbigem Hochglanzpapier herumgereichten Bilder sollten die internationale Tribüne in ein Tribunal verwandeln gegen den Irak und seinen schändlichen Giftgaskrieg. Doch es war nicht nur Propaganda "Warum diese Konferenz erst jetzt?" fragte der iranische Außenminister Ali Akbar Velajati die Konferenzteilnehmer aus 141 Ländern im Pariser Unesco Gebäude. "Hätte nicht damals schon die medizinische Behandlung mehrerer hundert Giftgasopfer in Österreich, der Bundesrepublik, Belgien, Schweden eine solche Konferenz auslösen müssen?"

Warum erst jetzt? Seit Jahren drängen die westeuropäischen Außenminister auf ein Abkommen zur Ächtung aller chemischen Kampfstoffe (siehe Kasten Seite 10). Doch eher das Gegenteil trat ein:

Immer neue Staaten beschafften sich chemische Waffen.

Endlich, im September letzten Jahres, machte sich Ronald Reagan für die C Waffen Konferenz stark: Die Unterzeichner des Genfer Protokolls von 1925 — es ächtet nur den Einsatz chemischer und bakteriologischer Kämpfstoffe im Krieg wurden eingeladen, über ein wirksames Verbot der Herstellung, Lieferung, Lagerung und des Einsatzes chemischer Waffen zu beratschlagen.

Frankreich als DepositarMacht des Genfer Protokolls witterte die Chance für eine internationale Großkonferenz im Revolutionsjahr 89.

Und so sollte die Konferenz auch im Zeichen von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit eine der grausamsten Waffen der Menschheit verdammen: Das Unesco Gebäude in Paris erschien den Industrienationen in diesen Tagen als der Ort, wo die Humanität den Sieg über die Barbarei davontragen würde "Lassen Sie uns eine Brandmauer der Abscheu errichten für die weltweite Ächtung der chemischen Waffen", appellierte am vergangenen Montag Außenminister Hans Dietrich Genscher an die Delegierten aus 145 Ländern.