Die Spielteilnehmer vermehrten ihr Startkapital deutlich

Von Reinhold Rombach

Ein Börsenjahr voller Überraschungen liegt hinter uns. Die überwiegende Mehrheit der Aktienexperten prophezeite den deutschen Dividendentiteln vor zwölf Monaten keine besonderen Kurssteigerungen; ganz im Gegenteil. Das Bankhaus Merck, Finck & Co sah nur "bescheidene Anlage-Erfolgsmöglichkeiten", und die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank empfahl ihren Kunden, "den Aktienanteil in den Portfolios grundsätzlich weiter abzubauen". Aber es kam ganz anders. Die deutsche Börse legte im Jahresverlauf um dreißig Prozent zu und bestätigte damit die alte Börsenregel, nach der bei Wertpapierprognosen die Masse meist schiefliegt. In diesem Umfeld der negativen Meinungen und Stimmungen war es für die Teilnehmer am ZEIT-Börsenspiel besonders schwierig, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Alle drei lösten diese knifflige Aufgabe mit Bravour. Am Jahresende hatten die Mitspieler auf das Startkapital von 100 000 Mark Gewinne von knapp zwanzig bis über vierzig Prozent erwirtschaftet – was will man mehr?

Ein glänzendes Schlußresultat erreichte Hubert Günter, Mitglied des Direktoriums der Bank in Liechtenstein (BIL). Mit einem stattlichen Gewinn von genau 43,63 Prozent auf das Anfangsvermögen bestätigte der Wertpapierexperte den ausgezeichneten Ruf, den die Privatbank in Branchenkreisen genießt. Es liegt auf der Hand, daß zu solchen Erfolgen ausgefeilte Analysemethoden und der Einsatz modernster Technik nötig sind. Gleichwohl war der Sieg der in Frankfurt beheimateten Bank im November – kurz vor Spielende also – noch gefährdet. Für die BIL waren in diesem Monat Verluste von gut 10 000 Mark aufgelaufen, und die Düsseldorfer Simonbank hätte bei einem ausgeglichenen Anlageresultat beinahe die Position des Spitzenreiters übernommen. Zum Führungswechsel fehlten immerhin nur knapp tausend Mark. Aber in den letzten vier Wochen des Spiels holte Günter noch einmal kräftig auf, gewann mit der niederländischen Stahlaktie Hogoovens zehn Prozent, dem amerikanischen Rohstoffwert Phelps Dodge sogar siebzehn Prozent und sicherte sich damit in der Endabrechnung einen klaren Vorsprung vor der Simonbank.

Dagegen schaffte Tim Schmiel von der Düsseldorfer Simonbank im vergangenen Dezember keine Ergebnisverbesserung mehr. Dennoch kann sich die Gewinnsumme des Zweitplazierten mit etwas über 33 000 Mark durchaus sehen lassen. Den größten Einzelgewinn erzielte Schmiel in der ersten Märzwoche, als er die spanische Chemieaktie SNIACE mit einem Plus von fast 12 000 Mark verkaufte. Im ersten Halbjahr wählte das Geldinstitut die Anlagepolitik des schnellen Kaufens und Verkaufens von Werten. Dies zeigt sich auch daran, daß in diesem Zeitraum mehr als doppelt so viele Titel wie in der zweiten Jahreshälfte erworben wurden. Obwohl er mit dieser Taktik mehrere Monate lang bis einschließlich Mai die Spitzenposition halten konnte, räumt Schmiel ein, daß "bei nüchterner Betrachtung auch längerfristige Engagements gewinnträchtig waren".

Die Hamburgische Landesbank hatte einen guten Start und belegte im Januar trotz einer vorsichtigen Anlagepolitik mit ihren damaligen Favoriten Henkel und VEW die Spitzenposition. In der Folgezeit wurde zu lange an einer auf Sicherheit bedachten Strategie festgehalten, räumt Wertpapierchef Herbert Koch freimütig ein. Die spätere Konzentration auf ertragsstarke Titel brachte eine nachhaltige Verbesserung, wie der enorme Gewinn von 28,72 Prozent beim deutschen Technologiekonzern Thyssen beweist. Auch die Titel Schubert & Salzer, Herlitz und Agab trugen zu einer soliden Wertentwicklung bei.

Den Anlageschwerpunkt setzten die Hanseaten in Deutschland, fast siebzig Prozent aller Käufe waren inländische Aktien. Auch die Gesamtzahl der Transaktionen lag mit insgesamt zwölf Käufen deutlich unter denen der BIL und der Simonbank. Dennoch waren die Hamburger mit einer Gewinnsumme von knapp 20 000 Mark erfolgreich. Das gilt um so mehr, wenn in Rechnung gestellt wird, daß sie fast während der gesamten Spieldauer etwa ein Fünftel des Gesamtvermögens unverzinst als Barbestand hielten. Immerhin erreichte die Landesbank etwa das Dreifache dessen, was mit deutschen Bundesobligationen zu verdienen war. Ende gut, alle gut.

In der nächsten Woche werden die Mitspieler der diesjährigen ZEIT-Börse und ihre Anlagestrategie vorgestellt.