"Dear America" von Bill Couturie

Die Frage eines GI in Vietnam, die im Gedächtnis bleibt (aus Michael Ciminos fiktiver Vietnamstudie "The Deer Hunter"): "Mein Gott, was haben wir hier eigentlich zu suchen?"

Bill Couturies Dokumentation bietet eine Reihe solcher Bekenntnisse. Im Mittelpunkt stehen Briefe, von GI’s aus Vietnam an Eltern, Frauen, Freundinnen geschrieben. Manche Briefe zeugen von Übermut ("Sag Mutter, sie soll sich keine Sorgen machen. Das hier ist keine Sache, mit der ich nicht fertig werde.") und manche von Klarsicht ("Nicht, daß ich diesen Krieg nicht verstehen würde; ich kann Krieg überhaupt nicht verstehen"). Manche zeugen von Verbitterung ("Du würdest staunen, wie rasch man auf einem einzigen Patrouillengang altern kann."), manche von Empörung ("Die Nächte sind die reinste Hölle."), manche von Ohnmacht ("Was für ein Leben! Bei diesem Job gibt es keinerlei Trost."). Dokumente einer Verstörung sind diese Briefe – im doppelten Sinne: Plötzlich scheint nichts mehr von Wert. Und das eigene Leben nur noch ein Opfer für den Müllhaufen der Geschichte.

Amerikanische Szenei aus Vietnam: Impressionen, Fakten, Momentaufnahmen. Wochenschauen liefern die Kriegsbilder, gestochen scharf. Reporter der NBC skizzieren den Lauf der Ereignisse zwischen 1964 und 1969 Und private Super-8-Filme der GI’s offenbaren viele Details von der Stimmung hinter der Front.

Dennoch: Ein wenig beklommen bin ich dieser Vietnam-Mixtur schon gefolgt. Zu willkürlich gewählt scheinen mir oft die Bilder, zu rasant geschnitten der Rhythmus, zu emotional montiert die Songs. Aber die Briefe irritieren, erschüttern. Der Ton ihrer Sprache klingt lange nach. Auch manche ihrer Einsichten: "In diesem Land ist für uns nichts zu gewinnen. Wir kämpfen für ein Volk, das unsere Einmischung nicht will. Dieser Krieg ist völlig falsch." Norbert Grob

"Brennendes Geheimnis" von Andrew Birkin

Eine Geschichte über erstes Frühlingserwachen und letzte Blüte, eine Geschichte über die Liebe also. In der Vorlage des Filmes, in Stefan Zweigs früher Novelle, ist sie jenes "brennende Geheimnis", das einen abenteuerlustigen Baron und eine verheiratete Frau verbindet, Edgar, den zwölfjährigen Sohn der Frau, aber ausschließt. Edgar verfolgt die Erwachsenen mit Eifersucht und Neugier, beendet im entscheidenden Moment mit seinem Auftritt ihr Liebesspiel und rettet damit die Ehre der Mutter. Reuig schwört sie an seinem Bett, daß sie in Zukunft nur noch ihm gehören will.