Für Aktienbesitzer war der Börsenstart ins Jahr 1989 ein voller Erfolg. Die Aufwärtsbewegung der Kurse, die schon in den letzten Dezemberwochen an Tempo zugelegt hatte, setzte sich zunächst noch fort. Und dies bei steigenden Umsätzen. Denn nunmehr traten auch jene Großanleger als Käufer auf, die sich bis zum Jahresschluß aus bilanztechnischen Gründen zurückgehalten hatten.

Klar zu erkennen war die Tendenz, frühzeitig Kursgewinne zu realisieren. Vor allem Banken waren bemüht, ihre Aktienbestände nicht mehr auszuweiten. Die Vorsicht ist berechtigt. Sie wurde nicht zuletzt im Hinblick auf den Optionstermin vom 15. Januar ausgeübt, von dem angenommen wird, daß er zusätzliches Material an die Börse bringen wird, weil längst nicht alle Käufer von Optionsgeschäften bereit sein werden, die ihnen zustehenden Aktien auch zu übernehmen. Schon am Wochenbeginn zeichnete sich ein aus dieser Quelle höheres Angebot ab.

An eine Tendenzänderung wollen indessen nur wenige glauben. Denn das Problem, vor dem zur Zeit alle Anleger stehen, lautet: "Wohin mit dem Geld?" Denn am Jahresende sind weitere 35 Milliarden Mark an Zins- und Tilgungsgeld frei geworden. Sie vermehren den schon bis dahin vorhandenen Anlagedruck.

Festverzinsliche Papiere scheiden wegen der drohenden Zinssteigerungen als Alternative aus. Es bleiben eigentlich nur Aktien. Kein Wunder, wenn sich so etwas wie eine Rotationsbörse eingestellt hat. Nach und nach werden sämtliche Marktgebiete von der Aufwärtsbewegung der Kurse erfaßt. Neuerdings sind auch wieder die noch bis vor kurzem wenig beachteten Einzelhandelspapiere an der Reihe. K. W.