Document Center schlampig geführt

Von Klaus Pokatzky

West-Berlin

Heute ist wieder Jagdzeit in Moabit. Auf dem engen Gang im ersten Stock des Berliner Strafjustizgebäudes lauern Kameraleute, Beleuchter, Photographen. Die Angeklagten Be. und Bo. versuchen, ungefilmt und unphotographiert in Saal B 129 zu kommen. Vergeblich. Die Jacken über ihre Köpfe gezogen, fliehen sie ins Treppenhaus, mehrere Photographen jagen hinterher, schneiden ihnen den Weg ab, drängen sie in eine Ecke und knipsen die Vermummten.

Ein Schwarzer kommt die Treppe hoch. "Wollen Sie zum Document Center-Prozeß?" fragt der Photograph der Nachrichtenagentur AP, während der von dpa sich schußbereit heranpirscht. – "Warum?" fragt der Afrikaner selbstbewußt. – "Wer sind Sie denn?" will der weiße Herr von AP da wissen, ohne sich selbst vorzustellen.

Wir sind bei einem Sensationsprozeß. Und dazu gehören eben Photographen und Kamerateams, die sich souverän über die schriftliche Verpflichtung hinwegsetzen, die sie unterschreiben müssen, wenn sie mit ihren Aufnahmegeräten in Berlin-Moabit arbeiten wollen. Daß sie nur in dem "vor dem Gerichtssaal befindlichen Flurbereich" filmen und photographieren dürfen, steht da, und daß "Foto- und Filmaufnahmen, die hierbei gegen den erklärten oder aus den Umständen erkennbaren Willen eines Betroffenen aufgenommen wurden" nicht veröffentlicht werden dürfen.

Wie Tante Emmas Krämerladen