Von Volker Hage

Karriere eines Romans: Im Januar 1987 erschien in der Frauenreihe eines Taschenbuchverlags der Titel "Beim nächsten Mann wird alles anders". Startauflage: zehntausend Stück. Schon im Februar mußte man bei Fischer die nächsten zehntausend Exemplare auflegen. Im März wurden gleich zwanzigtausend Bücher nachgedruckt, ebenso im Juli und August, dann – im September – vierzigtausend, im Dezember fünfzigtausend. Bis Ende des Jahres 1987 waren vom literarischen Debüt der unbekannten Autorin Eva Heller mehr als 150 000 Stück verkauft.

Das war erst der Anfang. Immer noch hält das Buch den Spitzenplatz jener Bestseller-Liste, in der, was nur vernunftig ist, auch Taschenbücher berücksichtigt werden. Inzwischen gibt es auch eine nachträglich erschienene gebundene Ausgabe des Romans. Bis heute sind insgesamt 900 000 Exemplare gedruckt worden – die Million ist in Kürze fällig. Das schafft nicht einmal Simmel in dieser Geschwindigkeit. Der Roman "Beim nächsten Mann wird alles anders" ist einer der erfolgreichsten Literaturartikel in der Geschichte der Bundesrepublik.

Eva Heller, Jahrgang 1948, lebt in Frankfurt. Sie ist ein Multitalent. Es gibt von ihr – unter dem Künstlernamen Eva H. – Cartoon-Bände, die ausgebildete Sozialwissenschaftlerin hat schon vor Jahren ein Sachbuch "Wie Werbung wirkt" veröffentlicht, und in diesem Frühjahr wird ein umfangreiches Werk "Wie Farben wirken" herauskommen.

Auch wenn ihr Roman nicht unbedingt Literaturgeschichte machen wird, so laßt sich ihm doch eins nicht absprechen: Er ist gescheit und witzig erzählt – was ja hierzulande eher eine Rarität ist. Und er steckt voller Boshaftigkeit.

Die Geschichte der Filmstudentin Constanze Wechselburger ist eine Allerweltsgeschichte. Constanze trennt sich von ihrem Freund Albert, dem Assistenzarzt, mit dem sie eine gemeinsame Wohnung hat. Er ist ihr zu bürgerlich, er soll ausziehen. Ein makabrer Wettlauf beginnt: Wer hat als erster einen Ersatz? Wer hat den besseren Ersatz? Constanze stürzt sich auf den Dozenten Gottfried Schachtschnabel, der sich aufregend unbürgerlich gibt – tatsächlich aber infantil an seiner Ehefrau hängt, die sich längst anderweitig orientiert hat und dennoch die Anhänglichkeit ihres Gatten zu schätzen weiß, besonders wenn sie ihn per Telephon – sie hat immer die Nummer – aus einem Schäferstündchen reißen kann. Da der Revolutionär ein Reinfall ist, holt sich Constanze eine Kneipenbekanntschaft ins Bett – um überhaupt etwas vorzuweisen zu haben.

Denn Albert ist schon in den Fängen der Nächstliegenden: Einer Kollegin aus dem Krankenhaus. Und er scheint das Rennen zu machen: seine Anna wird schwanger – sagt sie jedenfalls. Das alles ist sehr traurig, denn nun – als getrenntes Paar – verstehen sich Albert und Constanze eigentlich recht prächtig, sie haben sich sogar wieder etwas zu erzählen.