Wie sehr sich das Verhältnis zwischen der Sowjetunion und einigen sozialistischen Ländern gewandelt hat, zeigen die folgenden Passagen aus einer Klage der Moskauer Iswestija: "Journalisten, die sich mit internationalen Problemen beschäftigen, haben schwere Zeiten. Dazu zählt auch die Bürde, über sozialistische Länder zu schreiben Für uns gibt es viel mehr indirekte Verbote als Erlaubnisse. ‚So ist es nicht üblich‘, ‚Die Freunde werden uns das übelnehmen‘ – das ist nur eine kleine Auswahl aus dem Sortiment der Tabus

Es gibt Proteste auf Partei- und Diplomaten-Ebene. Es hat solche Demarchen auch wegen der Iswestija gegeben... Ende des Jahres ist die Zeitschrift Sputnik auf Anordnung des Post- und Telegraphenministeriums der DDR sogar ganz von der Bezugsliste verschwunden. Das war der Grund, warum meine Kollegen und ich sehr auf das internationale Seminar hofften, das sich kürzlich in Sofia mit der Darstellung des Lebens in den Medien sozialistischer Länder beschäftigte. Viele unserer Hoffnungen erfüllten sich, aber nicht alle... So konnte ich nicht dem Vertreter der DDR-Delegation K. Schmauz zustimmen, der behauptete, daß manche Presseprodukte der sozialistischen Länder ‚Wasser auf die Mühle des ideologischen Gegners gießen‘...

Unannehmbar scheint mir auch der Vertreter der bulgarischen Delegation B. Trajkow (Agentur BTA) argumentiert zu haben, als er der Sowjetpresse ein spezielles Raster für Berichte über negative Erscheinungen in Bulgarien vorschlug. Zuerst müsse die bulgarische Presse auf solche Phänomene aufmerksam gemacht haben, dann würde BTA für die Auswahl, Übersetzung und Verteilung der Materialien an uns sorgen. Und was soll dann, bitte sehr, ein staatliches Korrespondenten-Korps noch in Sofia tun?"