Weit mehr, als sich von außen erkennen läßt, leben in den Vereinigten Staaten Forschung, Lehre, ja auch Dichtung von den großen Stiftungen. Oft haben Unternehmer, die mit selbst im Frühkapitalismus anfechtbaren Mitteln reich geworden sind, nach ihrem Tod ihre Beute der Allgemeinheit zurückgegeben – als Stiftung. So entstand ein wichtiges Steuerungsinstrument: Was der Staat nicht durfte und der einzelne Bürger nicht konnte, das konnte eine Stiftung leisten.

Uns fehlt ein solches Steuerungsinstrument – noch. Wir haben die Krupp-Stiftung; sie entstand aus einem Vermögenszusammenbruch. Wir haben die Volkswagen-Stiftung, deren Vermögen aus der öffentlichen Hand kommt. Die Thyssen-Stiftung war eine echte Hingabe reicher Erben. Die Bertelsmann-Stiftung (alleiniger Stifter: der Inhaber und Konzernchef Reinhard Mohn) arbeitet schon und vergibt jedes Jahr um die zehn Millionen Mark für wissenschaftliche Aufgaben. Das ist ein Anfang.

Krieg und Währungsreform hatten bei uns die großen Vermögen ausgelöscht. Erst in den letzten Jahren haben sich bei einzelnen großen Unternehmern wieder Reichtümer angesammelt. Viele der Eigentümer werden an eine Stiftung denken, wenn sie ihr Testament machen. Hinzu kommt, daß sich die Einstellung der Firmengründer gewandelt hat. Früher war es selbstverständlich, daß ein Konzernchef und Vermögenseigner den Betrieb "seiner Familie" hinterließ, möglichst dem ältesten Sohn. Das Vermögen sollte ja ungeteilt erhalten bleiben und mit ihm der Name des Begründers. Die Eitelkeit eines Firmengründers ging so weit zu vermuten, daß es ihm gelingen könne, dem oder einem Sohn auch seine eigenen Fähigkeiten (und dazu die glücklichen Umstände) zu übertragen. Heute wissen die Tycoons, daß große Leistungen sich nie wiederholen. Die Fälle, in denen die zweite Generation das Vermögen allenfalls erhält und es in der dritten verlorengeht, sind die Regel.

Der moderne Unternehmer sucht also andere Wege, die Kontinuität des Unternehmens zu sichern, auch mit Rücksicht auf die Tausende von Betriebsangehörigen. Reinhard Mohn, Eigentümer einer von ihm aufgebauten Weltfirma, hat gemeinnützige Stiftungen ausgetüftelt, die das Kapital teilweise der Familie lassen, die Führung aber vom Kapital unabhängig machen, etwa durch die Berufung tüchtiger Kaufleute, Bankiers, Techniker, Künstler in einen Rat, der darüber bestimmt, welche Personen das Unternehmen führen sollen. Die bestimmen den Chef. Da gehen dereinst Milliardenvermögen in den öffentlichen Besitz.

Axel Springer ist das nicht gelungen. Man hatte gehofft, er würde nach seinem Tode vielleicht die Hälfte seines Vermögens (eine Milliarde?) einer Stiftung geben, damit seinen Ruf in der Vaterstadt und darüber hinaus festigend. Dann wäre das ärgerliche Gerangel jetzt vermieden worden.

Die Bertelsmann-Stiftung schüttet schon heute fast zehn Millionen Mark jährlich für gemeinnützige Zwecke aus. Dereinst können das hundert Millionen und sogar noch mehr werden. Damit kommt die Bertelsmann-Stiftung noch nicht heran an die Ford-, Rockefeller- und Vanderbilt-Stiftungen, aber die deutschen Stiftungen werden sich doch sehen lassen können.

Unvermeidlich wird der große Hamburger Industrielle Kurt A. Körber sein Erbe ordnen – schon heute vergibt er Millionen als Stiftung für wissenschaftliche Zwecke. Die ZEIT- Stiftung hat seit ihrer Gründung etwa zehn Millionen Mark bereitgestellt. Dereinst wird sie (je nach Geschäftsgang) ein Vielfaches der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen können. Ein Haus wie der Otto-Versand, durch tüchtige Leitung heute der Welt größter Versender geworden, wird gleichfalls vor der Frage stehen: Sollen die Erben, außer viel Geld, auch das "Management" bekommen, also etwas, was sich nicht vererben läßt?