ZEIT: Herr Hoffmann, Sie und Ihre Kollegen warnen davor, "die Möglichkeiten sozialdemokratischer Wirtschaftspolitik durch unscharfe Begriffe und althergebrachte Formeln zu verbauen". Können Sie das an ein oder zwei Beispielen verdeutlichen?

Hoffmann: Im Programmentwurf gibt es einige Passagen, in denen bestimmtes Versagen der Märkte einseitig auf unser Wirtschaftssystem zurückgeführt wird. Wenn auf den Weltmärkten bestimmte Entwicklungen ablaufen, dann hat das aber nicht nur mit unserem Wirtschaftssystem zu tun; das nur auf die Systemfrage zurückzuführen ist viel zu kurz gegriffen.

ZEIT: Aber im wesentlichen geht der Streit doch wieder um das Thema Staat oder Markt. Sie wollen weniger Staat. Steht da die Position der Praktiker gegen die der Theoretiker?

Hoffmann: Wir machen zwei Aussagen dazu: Erstens, daß man den Staat nicht überfordern darf. Zweitens, daß aber auch die Instrumente, die der Staat hat, sinnvoll genutzt werden müssen. Zum ersten ein Beispiel: Wir haben im Saarland genügend Erfahrungen mit Krisenbranchen und den Einwirkungsmöglichkeiten bei einer Verstaatlichung. Das führt uns oft an Handlungsgrenzen. Denn wir sind meistens nicht in der Lage, betriebswirtschaftlich optimal zu reagieren. Ein Beispiel für den zweiten Fall sehe ich in der Energiepolitik. Dort gibt es eine Reihe von Instrumenten, die wir bisher nicht voll ausgeschöpft haben. Beispielsweise die Preisgenehmigung.

ZEIT: Peter von Oertzen wirft Oskar Lafontaine als Chef der Kommission und damit indirekt ja auch Ihnen vor, Sie wünschten nur einen werbewirksamen unverbindlichen Text, um politisch möglichst ungehindert agieren zu können.

Hoffmann: Wir diskutieren darüber, wie man bei völlig veränderten Bedingungen überhaupt noch Wirtschaftspolitik betreiben kann. Es reicht nicht aus, daß wir die alten Schlachten noch einmal schlagen. Man muß erkennen, daß wir in der Technologie Entwicklungen haben, die neue Antworten erfordern. Jetzt geht es darum, diese Antworten präzise und klar zu geben.

ZEIT: Können Sie dafür ein Beispiel nennen?