Was Bürger fürchten: Asylanten sind in der Stadt

Wuppertal-Ronsdorf

Ronsdorf gehört zu den ruhigeren Vororten von Wuppertal. Auf den grünen Höhen des Bergischen Landes gelegen, fügt sich der Stadtteil malerisch ins Stadtbild ein. Ihre Eigenständigkeit haben die 25 000 Ronsdorfer jedoch nie ganz aufgegeben. Die Außenstelle der Wuppertaler Stadtverwaltung heißt nach wie vor "Ronsdorfer Rathaus". Man ist Mitglied im Ronsdorfer Mundartverein, besucht Ronsdorfer Kirchen, liest die Ronsdorfer Wochenschau, die wöchentlich über Firmenjubiläen und lokale Sportereignisse berichtet. Diese Idylle will die Stadt Wuppertal, nach Meinung einer wachsenden Gruppe von Ronsdorfern, jetzt zerstören: Ein Schulgebäude in der Lilienstraße, in dem nur noch bis Juni unterrichtet wird, soll als Asylantenwohnheim 60 Sinti und Roma aufnehmen.

Unmittelbar nach Bekanntwerden des städtischen Vorhabens organisierten die Anwohner eine Unterschriftensammlung: 250 Unterzeichner forderten Rat und Verwaltung auf, ihre Straße frei von Asylanten zu halten. In einem Leserbrief an die Lokalpresse formulierten die Initiatoren der Aktion ihre Vorbehalte so: "Für uns ist es unverständlich, daß man mindestens 60 bis 100 Asylbewerber und mehr ohne Betreuung schalten und walten lassen will, zumal in Ronsdorf nachts die Polizeistation geschlossen ist... Ist man sich denn nicht im klaren, daß man hier bewußt Zeitbomben installiert? Sind die Damen und Herren in den Verwaltungen so weit der Wirklichkeit entrückt, daß sie nicht mehr merken, was des Bürgers Wunsch ist! Ruhe, Sicherheit und Ordnung und nicht immer aufs neue herausgefordert werden ... Warum stellt man nicht außerhalb von Wohnbezirken Container auf? ..."

Mit der Forderung nach einem Containergetto vor den Toren der Stadt sah sich auch die Ronsdorfer Bezirksvertretung konfrontiert, als sie sich in öffentlicher Sitzung mit dem Thema befaßte. Rund 70 zumeist ältere Anwohner hatten sich eingefunden und veranstalteten ein lautstarkes Spektakel, das an die Zeiten politischer Unkultur erinnerte. Von "stehlenden Kinderhänden" und "Wohnwertminderung" war die Rede. Zwischenrufe wie "Von meinen Steuern werden keine Kriminellen bezahlt" veranlaßten den Vertreter der FDP zu der Bemerkung: "Wenn ich Sie höre, dann schäme ich mich." – "Wenn ich Sie höre", schallte es zurück, "dann sollte man NPD wählen, die sorgen für Recht und Ordnung." Die lautstarke Zustimmung von Anwoh nern führte zur Unterbrechung der Sitzung.

Es gibt auch andere Reaktionen in Ronsdorf, das eine der niedrigsten Ausländerquoten der Stadt hat. Der "Arbeitskreis Kinder- und Jugendarbeit in Ronsdorf", der sich seit einigen Jahren mit dem Problem des Rechtsextremismus von Ronsdorfer Jugendlichen befaßt, will den Sinti und Roma bei Behördengängen unterstützen. Ähnliche Ideen haben die Kirchengemeinde und der Arbeitskreis "Eine Welt". Die Ronsdorfer Bezirksvertretung wird sich unterdessen gemeinsam mit der Stadtverwaltung nach einer anderen Herberge für die Asylbewerber umsehen – damit wenigstens das Wohnproblem gelöst ist.

Stephan Koldehoff