Acht Jahre lang hat Richard Burt Ronald Reagan gedient – zuerst als Leiter der Unterabteilung für Sicherheitspolitik im State Department, dann als Unterstaatssekretar für Europa und schließlich, seit 1985, als Reagans Mann in Bonn. Jetzt packt er seine Koffer.

Der Abschied von Bonn ist zumindest vorübergehend auch ein Abschied aus der Politik. Burt, der im Februar 42 Jahre alt wird, wechselt in den Beruf eines Investment-Bankers nach London. Für die amerikanische Firma Shearson, Lehman, Hutton wird er in der Branche "Fusionen und Firmenübernahmen" tätig: nicht mehr Mittler zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik, sondern zwischen Unternehmen zu beiden Seiten des Atlantik, vor allem in dem umworbenen Bereich der Luftfahrtindustrie.

Burt hat sich in den vergangenen acht Jahren abgerackert. Er ist ein workaholic und – das hat ihm seine Sache nicht immer leicht gemacht – ein Mann mit eigenen politischen Vorstellungen. Die Bundesrepublik, so wurde er nie müde zu erklären, sei nun einmal ein Land mit Gewicht und Verantwortung. Durch unzählige Reisen in deutschen Landen, durch ein offenes Haus und durch rastlose Repräsentation hat er um diese neue Bundesrepublik geworben – weniger als Diplomat, schon gar nicht, wie empfindsame Gemüter meinten, als "Vizekönig", sondern als fordernder Partner.

Im Washington George Bushs wäre Burt wohl gerne mit dem Amt des Sicherheitsberaters betraut worden, aber nicht allein um Anweisungen auszuführen, sondern um selbst Politik zu gestalten. Davor aber schreckte das Bush-Team zurück. Jetzt geht Richard Burt – wohl ein bißchen enttäuscht, aber neugierig und mit leichtem Herzklopfen – in die Privatwirtschaft. Ob er es auf Dauer dort aushalten wird, ist eine andere Frage.

Christoph Bertram