Bei der Fiat-Tochter verschärfen sich die Konflikte mit der Gewerkschaft

Er hat ein Arbeitszimmer und einen Schreib-

tisch, aber nichts zu tun", sagt Marco Marras über den 33jährigen Walter Molinari. Marras vertritt die kommunistische Metallgewerkschaft im Betriebsrat von Alfa Romeo in Mailand. Der ehemalige Staatsbetrieb gehört seit zwei Jahren zum Turiner Fiat-Konzern. "Und seit zwei Jahren sitzt Walter Molinari herum, obwohl er seine Vorgesetzten immer wieder um Arbeit bittet."

Molinari gehörte zum Entwicklungszentrum von Alfa Romeo. Er projektierte den Einsatz von Laserstrahlen in der Autoproduktion. Doch bald, nachdem Fiat die Alfa Romeo in ihre Tochtergesellschaft Lancia eingegliedert hatte, wurde das Zentrum aufgelöst. Einige Spezialisten gingen nach Turin, andere traten in andere Abteilungen der Alfa Romeo ein, die meisten suchten sich neue Arbeitgeber. Nur Walter Molinari blieb arbeitslos am alten Platz zurück, wenn auch nicht untätig. Im April wird er seine Architekturprüfung an der Technischen Hochschule Mailand machen.

"Wenn du deinen Fähigkeiten gemäß arbeiten willst, dann zerreiß erst einmal deinen Gewerksclaftsausweis", hatten die neuen Herren ihm gesagt. Dieses Zitat findet sich in einem Dokument, indem 131 Techniker und Gruppenleiter von Alfa Rcmeo berichten, sie seien direktem und indirektem Druck ausgesetzt worden, damit sie die Gewerkschaft verlassen. Molinari, Sekretär der kommunistischen Betriebssektion Ho Tschi-minh, wollte sich dem Druck nicht beugen.

Ob und wie weit er und andere Genossen deshab Nachteile erlitten, das prüfen derzeit fünfzig Inspektoren, die der sozialistische Arbeitsminister Rino Formica in Betriebe des Fiat-Konzerns entsandt hat. Die Kommunistische Partei selbst hatte der Regierung und dem Parlament das angebliche Fiit-Sündenregister präsentiert, und der KPI-Parteivorsitzende Achille Occhetti war damit sogar bei Staatspräsident Francesco Cossiga vorstellig geworden. Die Parteizeitung der KPI, l’Unitd, hatte die Aktion durch eine Serie von Artikeln gehörig vorbereitet.

"Die Anklagen gegen Fiat sind durchweg falsch", kontert Fiat-Vorstandschef Cesare Romiti. Die Kommunistische Partei habe damit eine Kampagne entfacht, um ihr lädiertes politisches Ansehen wieder zu heben. Daß der neue KPI-Führer Achille Occhetti mit seinem Angriff gegen Italiens größten Privatkonzern verlorenes politisches Terrain zurückgewinnen und die Genossen in der Gewerkschaft wieder auf Vordermann bringen will, vermutet auch Sergio Pininfarina, Präsident des italienischen Unternehmerverbandes.