Im Leben eines jeden Journalisten kommt der Augenblick, da er dem peinlichen Gegenstand nicht länger ausweichen kann. Es handelt sich in diesem Fall um jenes laut Duden "beim Menschen charakteristisch hervorspringende Organ", das gelegentlich von einem heftigen Jucken befallen wird, sich rötet und dann ungehemmt eine mehr als lästige Flüssigkeit absondert. Wir nennen das üblicherweise Schnupfen.

Von dieser peinlichen Krankheit müßte nicht die Rede sein, hätte nicht kürzlich der Direktor des Göttinger Max-Planck-Instituts für experimentelle Medizin eine freudig überraschte Öffentlichkeit davon in Kenntnis gesetzt, daß bis zum Jahr 2000 "wahrscheinlich" ein wirksames Mittel gegen Schnupfen gefunden werde, und zwar als "Abfallprodukt" der Aids-Forschung.

Aids einerseits, Schnupfen andererseits. Der Zusammenhang zwischen den beiden offenbar äußerst virusanfälligen Organen ist nicht von Sigmund Freud (der alles in diesen Zusammenhang brachte) in der "Traumdeutung" zuerst entdeckt worden, sondern von Aubrey Beardsley. In seinen Lysistrata-Zeichnungen sieht man einen Mann, dessen eines und eigentliches Organ so gewaltig ist, daß es (in erwachsenem Zustand, versteht sich) ihm ziemlich heftig an das andere Organ stößt. Ein Schnupfen ist die unausbleibliche Folge.

Wir wollen das in der Tat peinliche Thema nicht unnötig traktieren, müssen den naseweisen Göttinger Professor allerdings fragen, ob er Beardsleys Beitrag zur Aids-Forschung kennt? "Möglicherweise", sagt der Professor, "wird es nie eine völlige Lösung des Aids-Problems geben, weil das Virus sehr variabel ist." Ein Fiasko, dieser Satz! Aber den Schnupfen will der gute Mann heilen. Wer seine Nase derart hoch trägt, dem ist keine günstige Prognose zu stellen.

Fassen wir zusammen: Wer an Aids leidet, außerdem Schnupfen hat und bis zum Jahr 2000 überlebt, hat beste Chancen, vom Schnupfen befreit zu werden. Das ist ein Fortschritt, zweifellos. Von ihm allerdings sind alle jenen Aids-Kranken ausgeschlossen, die keinen Schnupfen haben. Man kann von der Medizin nicht alles verlangen. Diejenigen, die Schnupfen, aber kein Aids haben, seien gewarnt: Wer seine Nase in alles hineinsteckt, wird sie bald voll haben. Dem Göttinger Professor aber geben wir jene bekannte Spruchweisheit auf den Weg, die da lautet: Immer der Nas nach geht der Arsch net irr. Finis