Dieses Buch ist weder nur für die "Fachleute" – welche sich hier auch gemeint fühlen – noch besonders für Leser, die die Ufer der Altmühl bevölkern, geschrieben, sondern für alle, die Anteil nehmen an Gestaltung oder Verunstaltung unserer Daseinswelt. Es ist ein bewegendes, erregendes, aber eben auch ein hervorragend informierendes Buch. Es handelt von einer brachialen Neuerung, die nur durch Zerstörung hat erkauft werden können. Sein Titel heißt lapidar "Main-Donau-Kanal" (Verlag Callwey, München 1988; 156 S., Abb., 39,80 DM), sein Herausgeber ist der Kunsthistoriker Michael Brix.

Der Untertitel deutet an, was das erbittert und wider alle wirtschaftliche Vernunft, bald auch gegen besseres Wissen und jeden ökologischen Einwand (erst recht gegen den der Erhaltung eines schönen, viel gerühmten Landschaftsbildes) durchgeboxte Projekt annehmbar machen soll: "Ersatzlandschaft im Altmühltal". Das Buch ist gleichsam unter abgekühltem Zorn, wenngleich nicht ohne Leidenschaft, dabei erstaunlich sachlich geschrieben worden, und es gibt ein Bild von ziemlich allen Aspekten und Anstrengungen. Michael Brix baut die Basis: Er berichtet zuerst vom alten Ludwigskanal mit seinen hundert Schleusen, dessen Reste als Baudenkmäler geschützt sind, und auch vom damals ganz anderen Begriff, den man von Natur und Landschaft hatte. Dann wendet er sich dem neuen, durchschnittlich 55 Meter breiten, Main und Donau – also Nordsee und Schwarzmeer – verbindenden Kanal zu, der zugleich "stärksten Landschaftsveränderung im Gebiet der Bundesrepublik", auch dem allmählich einsetzenden Gesinnungswandel der Erbauer und der Landschaftsplaner. Es ist, versteht sich, ein gescheiter und ein kritischer Bericht.

Ihm folgen Erörterungen der wirtschaftlichen Aspekte dieses "Europa-Kanals" und, besonders ausführlich, der landschaftlichen Gestaltung. Der Photograph Rainer König schließlich steuerte die "photographische Dokumentation des Altmühltals" bei – sie ist so faszinierend wie die Illustrierung des ganzen Bandes. Der endet nicht ohne Hoffnung. In fünfzehn Jahren werde man "die Schönheit des Kanals im Sulztal mit seinen vielen begleitenden, neu entwickelten Biotopen möglicherweise preisen" – die Planer haben die Erfahrung auf ihrer Seite. Manfred Sack