Schon die Kleidung signalisiert es: Auf Seriosität und Korrektheit legen Bankmanager größten Wert. Im dunkelblauen, gelegentlich auch grauen Anzug sitzen sie an ihren Schreibtischen und wickeln die Geschäfte ab. Wehe dem Schuldner, der da mit einer Rate auf seinen Kredit in Verzug ist. Flugs bekommt er einen Brief ins Haus, in dem ihm höflich, aber unmißverständlich klargemacht wird, daß er doch bitte seinen vertraglichen Pflichten nachzukommen habe. Andernfalls müsse man leider zu unangenehmen Mitteln greifen.

Doch die ehrpusseligen Bankleute messen mit zweierlei Maß. Da verkündet der Bundesgerichtshof Ende November vorigen Jahres ein Urteil zur sofortigen Verrechnung der Tilgungen bei Hypothekenkrediten, und was geschieht? Nichts! Plötzlich haben die Banken viel, viel Zeit, halten ihre Kunden mit abwehrenden Briefen hin und verweigern ihnen nun schon seit zwei Monaten die ihnen zustehenden Gutschriften auf den Kreditkonten.

Welch doppelte Moral. Wenn es ans Geld geht, werden flugs neue Spielregeln aufgestellt. Da macht es plötzlich nichts aus, wenn Kunden ein wenig warten müssen, bis die Banken ihr Portemonnaie öffnen. Da wird die Vorfreude der Banckunden auf den unverhofften, gerichtlich verordneten Geldsegen offensichtlich als Entgelt für die Wartezeit gewertet. Und je länger die dauert, so glauben wohl die Banken, um so größer müßte die Freude ihrer Klientel sein.

Von der Macht der Banken hören deutsche Kreditinstitute nicht gern. Aber wer Spielregeln einseitig zu seinen Gunsten ändert, besitzt Macht – und mißbraucht sie. bm