Als sich die Redakteure des stern am Montag nachmittag dieser Woche in der Kantine des Verlagshauses zur eilig einberufenen Redaktionsversammlung einfanden, kannten schon alle die Nachricht aus der Chefetage. Am Morgen hatte stern-Herausgeber Rolf Schmidt-Holtz den Redaktionsbeirat über die Ablösung der beiden Chefredakteure Heiner Bremer und Klaus Liedtke informiert. Lediglich der dritte an der Spitze der stern-Chefredaktion, Michael Jürgs, soll seinen Posten behalten. Ihm zur Seite wird ein Neuzugang aus München gestellt: Herbert Riehl-Heyse, noch stellvertretender Chefredakteur und Chefreporter der Süddeutschen Zeitung.

Nach anderthalb Stunden, so beschreibt ein stern-Redakteur die Stimmung im "Affenfelsen", dem Verlagshaus an der Hamburger Außenalster, ging "jeder bedrückt in sein Kabuff". Zwar trauert niemand dem Triumvirat an der Spitze des Magazins nach. Doch die Form der Vertragslösung von Bremer und Liedtke empfanden viele als ungehörig. Von einer "Exekution" verdienter Kollegen war die Rede.

Überraschend kam die Ablösung von Bremer und Liedtke indes nicht. Schon im Herbst war Jürgs zum primus inter pares des Dreiergespanns aufgestiegen. Daß Bremer und Liedtke sich diese Herabstufung gefallen ließen, sei in der Redaktion, so heißt es, "verwundert, achselzuckend und hämisch" zur Kenntnis genommen worden. Verleger Schulte-Hillen ließ damals durchblicken, er habe sich schon bei der Bestellung der drei Chefs in deren Verträgen zweierlei vorbehalten: erstens die Möglichkeit, einen von ihnen zum Primus zu berufen, zweitens die Option, einen Herausgeber über ihnen einzusetzen. Als kräftiger Vertrauensvorschuß waren diese Vorbehalte kaum zu verstehen.

Eigentlich habe keiner der drei das Format zum Chefredakteur besessen, lautet jetzt die vorherrschende Meinung beim stern. Liedtke galt als blaß, Bremer wurde politische Enge vorgeworfen, dem leitartikelnden Unterhalter Jürgs attestierten die Kollegen biederen Betroffenheitsjournalismus. Allerdings habe Jürgs das "Zirkusblut, das man in der Position wohl braucht". Schließlich habe auch der stern-Gründer Henri Nannen einst "als reiner Zirkusdirektor angefangen" – und die erfolgreichste Illustrierte der Republik geschaffen.

Vom Übervater Henri Nannen, dem zum 75. Geburtstag gerade die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatstadt Emden verliehen wurde, hat sich die Redaktion bis heute nicht lösen können. Die stern-Journalisten litten lustvoll unter seiner Knute; mal lobend, mal tobend hielt er seine Truppe hochbezahlter Redakteure und Reporter unter Druck und auf Trab. Mit den "Hitler-Tagebüchern" kam dann unter den Nannen-Nachfolgern Koch und Schmidt der große Einbruch: Das Renommee nach außen und das Selbstwertgefühl nach innen waren dahin.

Weder der Fernsehveteran und Bestsellerautor Peter Scholl-Latour noch der erfolgreiche Geo-Macher Rolf Winter reüssierten auf dem "Affenfelsen". Und auch das Triumvirat Bremer/Jürgs/Liedtke, anfangs mit Hoffnungen begleitet, entpuppte sich schnell als Fehlkonstruktion. Alle drei seien im Grunde Ressortleiter geblieben, heißt es im stern, die eifersüchtig ihre Pfründen verteidigten, Seilschaften bildeten und Günstlinge um sich scharten. "Die Dreier-Lösung hat sich auf Dauer nicht bewährt", räumte selbst der Redaktionsbeirat in einer Stellungnahme zum Umbau an der Blattspitze ein.

Große Hoffnungen richten sich nun auf Herbert Riehl-Heyse. "Ein exzellenter Name", sagt eine Redakteurin. stern-Herausgeber Rolf Schmidt-Holtz ist über die Zusage aus München begeistert: "Ich habe Grund, guter Dinge zu sein." Der Leser solle künftig wieder sagen können: "Das ist der stern, den ich will." Schmidt-Holtz, selbst erst im Herbst vom Westdeutschen Rundfunk an die Alster umgesiedelt, findet de Illustriertenarbeit "ganz schön spannend". Von der Redaktion wohlwollend aufgenommen, hat der ebenso energische wie ehrgeizige Schmidt-Holtz bei seinem Personalumbau die Rückendeckung von Gruner + Jahr-Chef Gerd Schulte-Hillen. Der hatte beim stern schon lange Profilverlust und Müdigkeit beklagt. Mit Schmidt-Holtz und dem Team Jürgs/Riehl-Heyse will er die Illustrierte wieder zur "Muß-Lektüre" machen, mit "intelligenter Unterhaltung" und "Tiefe in der politischen Berichterstattung".