Von Eckhard Groth

"Professor Lenbach hat mir einmal erzahlt, Peters sei bei ihm gewesen und wollte sich von ihm malen lassen. Dabei sei Lenbach aber der grausige Blick aufgefallen. Er konnte ihn also nicht malen! Er meinte, Peters habe einen Raubvogelkopf."

Eugen Wolff, Afrikareisender

"Der Kolonialist ist ein Keim für die Verrottung der Metropole."

Albert Memmi, tunesischer Romancier

Im Reichstag geht es hoch her: Der sozialdemokratische Parteiführer und Abgeordnete August Bebel läutet das Ende einer steilen Karriere im deutschen Kolonialdienst ein. Bebels "j’accuse": Der Begründer des ostafrikanischen Kolonialimperiums und kaiserliche Reichskommissar für die Bezirke Kilimandscharo, Pare und Usambara, der promovierte Historiker Carl Peters, habe in einem Brief an den englischen Missionsbischof Tucker eingestanden, daß er seine schwarze Konkubine Jagodja und deren Geliebten Mabruk "wegen Ehebruchs" hinrichten ließ. Der "Tuckerbrief" löst eine Affäre aus, die den Kanonenhosen- und Hetzpeitschenfan Peters – nach seiner Selbsteinschätzung ein deutscher Napoleon – bis an sein Lebensende verfolgen soll.

Die Reichstagssitzung verläuft am 13. März 1896 tumultuös: "Gemeinheit! Mörder! An den Galgen mit ihm!" Der Vorwärts nennt Peters einen "grimmigen ‚Arier‘, der alle Juden vertilgen will und in Ermangelung von Juden drüben in Afrika Neger totschießt wie Spatzen und zum Vergnügen Negermädchen aufhängt, nachdem sie seinen Lüsten gedient". Zentrum und Deutschliberale fordern gleichfalls eine Untersuchung; unter Druck gesetzt, muß die Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes, der die Vorgänge schon seit Jahren bekannt sind, schließlich ein Disziplinarverfahren einleiten, das mit der Entlassung Peters’ endet.