Liegt das Kind im Brunnen, will es niemand reingeworfen haben. Und schon geht’s auf zur lustigen, wilden Sündenbockjagd. Darin sind die Bonner Meister.

"Ich hatte dich ja gewarnt. Mir kannst du jetzt keine Vorwürfe machen. Aber auf mich hörst du ja nie", klagte Frau Hannelore beim Frühstück, während sie dem Gemahl den Morgenkaffee eingoß.

"Wenn ich mich recht erinnere", warf Kohl leicht gereizt ein, "hast du geschwärmt, das sei noch ein Tanzstundenkavalier der alten Schule, der einer Dame noch die Hand küßt."

"Das langt doch aber höchstens zum Staatssekretär für besondere Verwendung, nicht aber zum Verteidigungsminister", gab Frau Hannelore erbarmungslos zurück. Kohl knüllte seine Serviette zusammen und begab sich in seine Amtsräume. Ein Knopfdruck, und schon stand Schäuble da. Kohl starrte ihn durchbohrend an: "Ich möchte jetzt endlich wissen, wer mir diesen Scholz aufgeschwatzt hat."

"Weiß ich nicht. Vielleicht der Wörner, sozusagen als Kuckucksei. Dem traue ich alles zu. Mein Einfall war es jedenfalls nicht."

"Abgeraten haben Sie mir aber auch nicht."

"Wie denn? Sie waren ja ganz besessen von der Idee: Das sei ein Mann mit besonderem Fingerspitzengefühl – haben Sie wortwörtlich gesagt. Dazu habe ich immerhin ein sehr skeptisches Gesicht gemacht..."