Mit großer Spannung warten jedes Jahr nicht nur Großbritanniens Gastronomen auf das Erscheinen von Egon Ronays Restaurantführern. Für 1989 sind soeben drei Guides herausgekommen.

Im "Cellnet Guide Hotels and Restaurants" werden 2500 Häuser in Großbritannien und in Irland beurteilt. Als "Londoner Hotel des Jahres" firmiert 1989 das "Savoy". Ebenso gute Benotungen (91 Prozent) erhielten das "Connaught" in London und das "Inverlochy Castle" in Schottland. Zum "Restaurant des Jahres" in London wurde "L’Arlequin", SW 8, gekürt.

Egon Ronay bedauert in seinem Resümee, daß etwa ein "Ladbroke Hotel" bereits ein "Hilton" sei und ein "Holiday Inn" in Wirklichkeit ein "Crest"-Hotel. Es sei also schwierig, den Standard einer Hotelgesellschaft bei der Auswahl eines Hauses zugrunde zu legen. Andererseits jedoch hält er dies nicht unbedingt für einen Fehler, jedes Haus solle dank seiner eigenen Verdienste bewertet werden. Vor allem lobt er die privat geführten, individuellen Hotels.

Erfreut vermeldet der Kritiker: "Hotels und Restaurants sowie ihre Chefköche haben dank der laufend mehr gelesenen und geschätzten Küchenführer enorm profitiert. Der stete Wettbewerb trägt seine Früchte." Dreißig bis 40 aus der jungen Garde englischer Chefköche versprechen Ronays Ansicht nach "Top Chefs" zu werden. Doch müßten die Gäste für deren Kreationen auch einiges zahlen. Dazu jedoch sind viele nicht bereit. Für sie empfiehlt sich die Lektüre des Führers "Eat out on a Budget". 750 Restaurants, Weinbars, Cafés und Tea Shops werden aufgeführt, Irland ist nicht eingeschlossen. In dieser Ausgabe sind die "drei Restaurants des Jahres" das "Munchy, Munchy" in Oxford, das "Handsel" in Edinburgh und "Wiltshire Kitchen", Devizes/Wiltshire.

Ausländer wird in diesem Guide vor allem das Sonderthema "Überqueren des englischen Kanals" interessieren. "Wird es Ihnen dabei übel?" lautet der Untertitel. Die Gesellschaft P & O hat mit der "Pride of Dover" das beste Schiff aller Fährgesellschaften, mit der "Viking Venturer" aber auch das schlechteste; Britanny Ferries bot im letzten Sommer das beste Restaurantessen an, verlor aber Punkte in der Cafeteria, die Sally Line war oben auf der Liste in Sachen Pünktlichkeit, aber ganz unten in jeder anderen Hinsicht. Hoverspeed hat die schnellsten Fahrzeuge, allerdings kanr die Überfahrt "holprig" sein. Die Sealink-Schiffe rangieren von durchschnittlich bis tief unten, nur die Duty-free-Einkaufsmöglichkeiten wurden für gut befunden. Einige Fähren waren pieksauber, andere widerlich schmutzig.

Das Essen? – Im allgemeinen "unannehmbar". Auf den Fähren wurden von hundert möglichen Punkten den Restaurants der Britanny Ferries 55 zugesprochen, P & O 36, Sally 35 und Sealink 17. In der Kategorie "Cafeteria" stand Britanny Ferries mit 23 Punkten am Ende der Aufzählung. Es lohnt sich übrigens auch, den Guide zu kaufen, weil alle Abfahrts- und Ankunftshäfen begutachtet, einige Hotel- und Restaurantadressen hüben und drüben genannt und die Überfahrten beschrieben werden.

Der dritte Führer "Best of British Pubs" schließt auch bescheidene Unterkünfte ein. Als Sonderkapitel werden hier Ratschläge gegeben, was man trinken kann, ohne an die Promillegrenze zu stoßen. Einer der auserwählten Top-Pubs ist in Wiltshire ("Silver Plough", Pitton), ein anderer in Wales ("Griffin Inn", Llyswen im Wye-Tal) und der dritte in Westschottland ("Kilberry Inn", Kilberry, Strathclyde). Julie Stewart