Köln: "Sinnbild und Abbild – Malerei und Skulpturen der Gotik in Köln"

Gotik im heiligen Köln – das ist ein Kapitel der Kunstgeschichte, das vor allem dank gelehrter und ihrer Stadt gewogener Sammler in den Museen hervorragend repräsentiert ist. Wenn nun das Wallraf-Richartz-Museum in einer großangelegten Ausstellung für knapp drei Monate die Depot-Bilder des eigenen Hauses mit Skulpturen aus dem Schnütgen-Museum vereint, so kann sich ein Besucher mit Sinn für Vollständigkeit durchaus daran freuen, Kölner Kunstbesitz aus einer so glanzvollen Epoche mit weitgehend unbekannten Objekten dokumentiert zu sehen, zumal beide Institute zu diesem Zeitpunkt auch das Erscheinen von Bestandskatalogen ankündigen. Gegenwärtig steht dem Interessenten der prachtvolle Band des Schnütgen-Museums zur Verfügung sowie ein informativ-populäres Bildheft des Wallraf-Richartz-Museums. Der Kataolg des Malerei-Bestands soll nun Mitte Februar herauskommen. Museumsarbeit also, neue kunsthistorische Forschungen, die einem breiten Publikum an ausgewählten Beispielen erläutert werden? Nein, so ist es leider nicht. Die Ausstellung, die im übrigen Malerei und Plastik nicht miteinander in Beziehung setzt, sondern ordentlich getrennt vorführt, ist rar an staunenswerten Stücken. Ihre Qualität liegt vor allem im Bereich der Skulptur: in der weit größeren Abteilung der Malerei lenken auch museumspädagogischer Eifer und ausführliche Handreichungen nicht davon ab, daß hier die Kölner Werkstätten nur einen schwachen Abglanz ihrer Strahlkraft und Frische zeigen. Lange Texte und viele Depot-Stücke. Dank der Diskrepanz von alter Rahmenbeschriftung und neuer Erläuterung ist hier und da zu merken, daß neue Zuschreibungen erfolgt sein mögen, denen sich irgendwann im neuen Katalog nachgehen ließe.

Der eigentliche Reichtum dieser Malereien in einer damals ebenso frommen wie wohlhabenden und bildhungrigen Stadt – ihre Symbolhaltigkeit, ihre Erzählfreude, Hinwendung zur Darstellung der Wirklichkeit, ihre satte Farbigkeit – all dies ist hier eher nur blaß zu erkennen. Wer sich das Leuchten mittelalterlicher Bildwelten anders vorgestellt hat, braucht nur eine Etage höher zu gehen: Da sind sie in den Schauräumen zu finden, die Meister von Köln. Wobei zu empfehlen ist, die Erkundung zehn Gehminuten entfernt im Schnütgen-Museum fortzusetzen: Auch hier sind, wohl nicht zuletzt aus konservatorischen Gründen, die eigentlichen Prachtstücke an ihrem Ort geblieben. Da bleibt die Frage, ob man Ausstellungen veranstalten soll, um auf hohe Qualität von ohnedies stets erreichbarem Museumsbestand aufmerksam zu machen? (Wallraf-Richartz-Museum bis zum 27. März. Katalog des Schnütgen-Museums – Holzplasitik 1000-1400 – 68 Mark; Bildheft 10 Mark) Ursula Bode

Kiel: "Hans Platschek"

Wäre ich Besitzer des Bildes "Ex-Voto dans le goût espagnol" von 1962 (oder auch des "Sheitan" von 1957): ich gäbe es für das Porträt Hubert Fichte von 1984 nicht her. Das ist weniger ein Urteil gegen das Fichte-Bild als für die beiden früheren Bilder und viele andere frühe dazu. Den Stil bestimmt man allgemein mit "Informel". Platschek war als hervorragender Repräsentant dieser Kunst schon 1958 auf der Biennale in Venedig, ein Jahr später auf der Kasseler "documenta" vertreten. Manche seiner Werke sind in Museen zu finden, in München, Lyon, Montevideo, Pittsburgh, Santiago de Chile, São Paulo und sonstwo. Will man "Informel" definieren, eine gewisse Identität mit dem Tachismus oder dem Abstrakten Expressionismus oder Abweichungen zu bestimmen versuchen, so gerät man gleich auf das Glatteis des Definierens, wo ein Kunstkritiker ohnehin oft balancieren muß. Hans Platschek selber, bekanntlich nicht nur Maler, hat es da zu erstaunlichem, raffiniertem Voltigieren gebracht, er hat in seinen kunstkritischen Äußerungen Beuys, den späten Chagall, den konsumorientierten Kunstmarkt, die Simulationstheorie und anderes mehr angeprangert. In Platscheks Informel-Bildern, ein Kontrapunkt zum Figurativen, vor allem 1958 bis 1963, ist die Welt zum Glück nicht mehr "in Ordnung", da gibt es ein jubilierendes Kräftespiel mit Formen und (nie aggressiven) Farben. Aber nicht das Chaos, nicht die Anarchie herrscht, da gibt es vitale Rhythmen, allerdings sind sie den Abgründen des Unbewußten, dem Intellekt entzogen. Und so war denn die Wende nach 1963 keine Drehung um 180 Grad. Platschek malt nun Porträts, malt Stilleben, erfindet Kompositionen, die vielfach kecke, vielleicht sogar brüskierende Kombinationen von heterogenen Elementen sind (eine weibliche Figur im Vordergrund mit einer Grünewald-Variation im Hintergrund provozierend zusammengestellt). Faßt man bei Platschek (er wurde 1923 in Berlin geboren, lebt jetzt in Hamburg) das Theoretisch-Kritische und das Künstlerische zusammen: schon jetzt ein verwirrendes, imposantes Lebenswerk. (Kunsthalle bis zum 22. Januar; vom 29.1. bis 26.2. Museum Folkwang, Essen; Katalog 16 Mark) René Drommert