Von Reinhold Rombach

Die Anlageexperten

Auch im dritten Jahr des ZEIT-Borsenspieles wetteifern drei Banken um den besten Anlageerfolg. Die Aktienexperten der Frankfurter Sparkasse, der DG-Bank und der Bank in Liechtenstein haben es in der Hand, mit wohlüberlegten Kaufentscheidungen aus dem Startkapital von 100 000 Mark in den nächsten zwölf Monaten möglichst viel Geld zu machen. Um der Wirklichkeit möglichst nahe zu kommen, wurden die Regeln ein wenig geändert. So dürfen jetzt die Akteure ihre Favoriten jederzeit kaufen und verkaufen, wobei sie jeweils mindestens zwei und höchstens vier Werte im Depot halten können. Wie bisher dürfen zwanzig Prozent des Gesamtvermögens bar gehalten werden, diese werden aber neuerdings zum Tagesgeldsatz verzinst. Der Phantasie in der Auswahl der Börsenplatze sind keine Grenzen gesetzt; die Teilnehmer können demnach überall auf der Welt Aktien und Optionsscheine auf Aktien kaufen. Wie bei Börsentransaktionen üblich, fallen auch im Spiel Spesen an, die nach jedem Verkauf mit drei Prozent des Anlagevolumens berechnet werden.

Die Order zum Kauf oder Verkauf eines Papiers muß mindestens während der Börsensitzung oder davor erteilt werden, um an diesem Tage noch als ausgeführt zu gelten. Trifft die Order danach ein, können natürlich nur die Kurse des darauffolgenden Handelstages abgerechnet werden. Auch in diesem Jahr bleibt der erste Donnerstag jeden Monats der sogenannte Erklärungstag. Zu diesem Termin werden die Teilnehmer gebeten, ihre aktuelle Anlagepolitik, die Begründung ihrer Depotveränderungen und ihre derzeitige Markteinschätzung vorzustellen. Die Zusammenfassung dieser Meinungen und deren Veröffentlichung erfolgt immer in der darauffolgenden Woche; dazu gehört selbstverständlich auch die Analyse des Spielverlaufes und die Information über die Wertentwicklung der drei Aktiendepots.

Die DG-Bank, das Spitzeninstitut der genossenschaftlichen Geldinstitute, wird im Börsenspiel von Hans-Joachim Stemann vertreten. Der Geschäftsführer der DG Capital Management GmbH -geht in seiner Anlagestrategie davon aus, daß der europäische Wirtschaftsraum über ein starkes Wachstumspotential verfugt. Die bevorstehenden Umstrukturierungsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Harmonisierung des EG-Binnenmarktes 1993 spielen seiner Meinung nach dabei eine wichtige Rolle. Auf der Gewinnerseite sollten, so Stemann, "neben potentiellen Ubernahmekandidaten aus den Bereichen Banken, Versicherungen und Handel solche Unternehmen stehen, die aufgrund ihrer Produkte über eine besondere Wettbewerbsfähigkeit verfügen".

Getreu dieser Anlagephilosophie orderte der Wertpapierexperte für den Gegenwert von jeweils 30 000 Mark Aktien eines spanischen, eines deutschen und eines italienischen Börsenplatzes. Der Restbetrag von 10 000 Mark soll erst einmal stehen bleiben und für eine günstige Kaufgelegenheit genutzt werden. In Madrid erwarb Stemann zum Kurs von umgerechnet 47,86 Mark Amper, ein Zulieferbetrieb des spanischen Telephonmonopols Telefönica. Amper streckt aber auch seine Fühler in Europa aus, ist zudem Geschäftspartner von Siemens wie auch von Olivetti und sollte in diesem Jahr seine Gewinne überproportional steigern können.

Als zweiten Wert kaufte die DG-Bank die deutsche Brauereiaktie Bavana St.Pauli zum Stückpreis von 635 Mark. Das Hamburger Unternehmen wurde im vergangenen Jahr mit der Einführung der alkoholarmen Biermarke Jever Light auf Anhieb Marktführer und verbreiterte zudem durch den Einstieg in den schwedischen Markt seine Ertragsbasis. Zur Abrundung des Depots orderte Hans-Joachim Stemann an der Mailänder Börse noch den italienischen Versicherungswert Assicurazioni Generali für umgerechnet 60,39 Mark je Aktie.