Diesmal sollte es nicht die gemütliche Frühstückspension in Oberbayern sein. Im Reisegepäck stecken Skistiefel, Jogginganzüge und Gletschercreme. Sporturlaub war angesagt, in einem mondänen Hotel mit wohlklingendem Namen und Platz für reichlich 600 ambitionierte Ski(renn)läufer, zu Füßen eines wahrhaft gigantischen, hochalpinen Pistenparadieses gelegen.

Die Gäste im Sporthotel? Lauter durchtrainierte Sportskanonen mit bodygebuildeten Körpern, niemals müde, immer in action. So dachten wir, am ersten Urlaubstag.

Bis wir Helmut trafen, den jungen Mann mit dem Traumjob des Animateurs, dem es auf den Magen schlug, daß er sich während der groß angekündigten Frühgymnastik ("Damit Sie fit auf die Skipisten kommen") im top ausgestatteten Fitneßraum nur seinem eigenen Spiegelbild gegenübersah. Kniebeugen, Liegestütze, auf und nieder, immer wieder? Jedenfalls nicht im Fitneßkeller des renommierten Sporthotels.

Der tiefverschneite Winterwald stand derweil still und schweigend, mitsamt seinen gespurten Wander- und Joggingwegen. Denn auch Helmuts Angebot zum Waldlauf konnte nicht mit Federbett und Frühstücksfernsehen konkurrieren. Im Sporthotel lassen es die Gäste langsam angehen, um apres noch Leistungsreserven zu haben.

Sportlich-dynamisch muß wohl vor allem das petit déjeuner mit Müsli und Joghurt sein, und die Ausrüstung hat zu stimmen, vom neonfarbenen Stirnband bis zur thermodynamischen Lochskispitze. Das sportliche Outfit ist wichtig fürs sportive Durchhaltevermögen im Liegestuhl auf der Sonnenterrasse. Gegen Kräfteverschleiß und Konditionsschwächen werden dort zwischendurch starke Aufbaudrinks gereicht.

Warum nur muß es für die Urlauber unbedingt ein teures Sporthotel sein, wenn doch keiner aktiv werden will, fragten wir uns. Auch Helmut fragte es sich in einem Anfall depressiver Gemütsstimmung. Wieder einmal hatte er das Gäste-Skirennen absagen müssen, weil niemand zum Start erschien. Wozu nur strengt sich ein agiler, hochmotivierter Animateur noch an, wenn die Hanteln im Trimmraum Staub ansetzen und der Schnellkurs in der Eishalle des Curling-Clubs verschmäht wird wie Sauerbier?

Dennoch ging es auch sportlich zu im Sporthotel. Es wurde im türkischen Dampfbad geschwitzt, und es gab genügend Bewegung im Whirlpool. Zudem bewiesen die Gäste ausreichend Kondition – vor allem abends an der Cocktailbar.