Von Karl-Heinz Janßen

Was lange währt, wird endlich gut. "Vom anderen Deutschland" – unter diesem Titel erschienen 1946 in Zürich Auszüge aus nachgelassenen Tagebüchern Ulrich von Hassells, der zu den führenden Köpfen der Widerstandsbewegung zählt. Die ersten Exemplare gelangten als Schweizer Bücherspende ins besetzte Nachkriegsdeutschland. In seinem Vorwort rühmte der Schweizer Verleger Max Hürlimann die Aufzeichnungen "gerade in ihrer wehrlosen Unmittelbarkeit, so wie sie zu uns gekommen sind", als "ein politisches und menschliches Dokument ersten Ranges".

Aber erst dreiundvierzig Jahre danach erscheint eine wissenschaftlich verläßliche Edition der Tagebucheintragungen; der Text dieser wichtigen Geschichtsquelle ist nun um zwei Drittel umfangreicher als der Erstdruck und nach der Handschrift revidiert. Die noch fehlenden dreizehn Prozent werden vom Herausgeber Friedrich Freiherr Hiller von Gaertringen genau annotiert (sie sind zumeist privater Natur).

Hassell, aus pommerschem Adel, Berufsdiplomat, einer jener Konservativen, die unter Hitler das Opfer ihrer Illusionen von 1933 wurden, verlor 1938 seinen Botschafterposten in Rom, weil er mit der Außenpolitik der deutsch-italienischen Achse nicht einverstanden war. Nach dem Attentat auf Hitler wurde er am 8. September 1944 vom "Volksgerichtshof" zum Tode verurteilt und wenige Stunden später hingerichtet. Die politischen Ansichten Hassells formten sich im Kaiserreich – er war mit einer Tochter des Großadmirals von Tirpitz verheiratet –, er stand den Deutschnationalen nahe und war 1933 der Nazi-Partei beigetreten, ohne je ein "echter Nazi" zu sein, wie Goebbels in seinem Tagebuch bestätigt.

Der Historiker Hans Mommsen, früher einer der schärfsten Kritiker der Hassellschen Zukunftsentwürfe, laßt ihm in seinem Geleitwort Gerechtigkeit widerfahren. Denn gerade der Konservatismus dieses Edelmanns ist seine Stärke, darauf gründen sein Mut, die Unbeirrbarkeit

Ulrich von Hassell:

Die Hassell-Tagebücher 1938 – 1944