Johann Sebastian Bach: "Sonaten und Partiten"

Sechs gewaltige, in der Tragweite noch heute unfaßliche musikalische Dichtungen, 1720 in Köthen vollendet – Itzhak Perlman interpretiert sie auf seiner Stradivari und Guarneri bravourös. Sein durchweg markiger Ton, der mit dem etwas zu generös verabreichten künstlichen Hall nicht selten fülligen Orgelklang suggeriert, entbehrt in keinem Takt der barocken pathetischen Gebärde. Geradezu süffig in romantisierender Volltönigkeit sehen sich Perlman keinen Deut um stilistische Ausgewogenheit. jeder Takt indes verbindet sich in ihm, dessen singulärer Geigerkarriere die früh erlittene Poliomyelitis-Erkrankung keinerlei Abbruch tat, mit genuiner Künstlerschaft. Seine makellose Technik erlaubt ihm alles, auch volles Risiko die kompliziertesten Ackordbrechungen und Doppelgriffe sind in der Intonation nicht weniger lupenrein als das halsbrecherische Figurenwerk in schnellen Sätzen, etwa in der gefürchteten Chaconne der d-moll-Partita. Die überdimensionale Fuge der C-dur-Sonate schließlich absolviert Perlman mit der scheinbaren Leichtigkeit eines Seiltänzers. Ein Produkt kurzum, das zum Mitnehmen auf jene ferne einsame Insel reizt. (EMI 7 49483 2) Peter Fuhrmann