Mitten auf der Mönckebergstraße, im Zentrum von Hamburg, steht ein Streifenwagen. Das Blaulicht zieht die Passanten an. Aus der Nähe sehen sie, was hier, nachmittags um vier, los ist, und trauen ihren Augen nicht: Vor dem Polizeiauto, in der Fahrbahnmitte, parkt ein kleiner blauer Volvo.

Ist das zu fassen? Dreißig, vierzig, fünfzig Leute unterbrechen ihren Bummel und staunen laut vor sich hin. Wer von ihnen kennt das nicht: Man will nur kurz zu Karstadt, irgendeine Kleinigkeit noch besorgen, und wieder ist weit und breit kein Parkplatz frei. Aber solcher Dreist!

Grinsen, Lächeln hier und da, spöttisch-anerkennende Scherze, Schadenfreude, um Worte noch verlegene Empörung. "Der kann nur aus der Mongolei kommen", spekuliert jemand über den Fahrer, obwohl das Nummernschild auf Winsen an der Luhe deutet.

Die Verkäuferin beim Bäcker vorne in der geöffneten Ladentür genießt ihren Logenplatz. Das Blaulicht ist wie ein Versprechen. Busse quälen sich zu beiden Seiten an Volvo und Polizei vorbei, unaufhörlich wächst die Menge und mit ihr die Erwartung, daß der Fahrer aus der Mongolei oder die Fahrerin aus Winsen an der Luhe gleich in Eile und mit einer Tüte in der Hand bei Karstadt herausstürzen möge.

Doch nichts geschieht.

Vielleicht traut sich der Übeltäter nicht: durch die Menge in die Arme der Polizisten... Noch sitzen die Beamten in ihrem Wagen. Einer raucht routiniert.

Da brummt ein buntgestrichener Lastwagen an, "Pannenhilfe". Der Fahrer stellt sich, vom Blaulicht beschienen, ins absolute Halteverbot, woran zu erkennen ist, daß auch er Recht und Gesetz verkörpert. Schon kommt sein Kollege mit einem bunten Abschleppwagen herbei, und die beiden helfen dem Volvo auf die Ladefläche. Das Tatfahrzeug setzt ihnen keinen Widerstand entgegen. Nicht einmal ein Gang scheint eingelegt, geschweige denn die Handbremse angezogen.