Länger als fünf Jahre wurde im Bonner Umweltministerium der Gedanke hin und her gewälzt, wurden Gutachten und Gegengutachten geschrieben. Das Gezeter war groß. Da stand die Konsumentenfreiheit auf dem Spiel, der freie Warenverkehr in Europa und gar die Marktwirtschaft als Ganzes. Per Verordnung beschloß schließlich das Bonner Kabinett doch noch, daß für Getränkeflaschen aus den Kunststoffen PET und PVC in Zukunft ein Pfand von fünfzig Pfennigen eingetrieben werden muß. Und, siehe da, noch ehe das Geld zum erstenmal kassiert wurde, stellte sich der Erfolg schon ein: Den Einzelhändlern erschien die von Bonn auferlegte Prozedur zu teuer, die Verbandssprecher riefen zum Boykott der Einweg-Plastikflaschen auf, und die Limonadenhersteller Coca- und Pepsi Cola mußten einsehen, daß ihre umsatzträchtige Flascheninnovation im Markt nicht durchsetzbar sein würde.

Daß so der umweltfreundlichen Mehrwegflasche geholfen wurde, ist freilich nur der unwichtigste Aspekt des jahrelangen Streits um die Flaschen. Zwar symbolisieren die Wegwerfflaschen für jeden Bürger augenfällig den verhängnisvollen Weg in die Ex-und-hopp-Wirtschaft. Doch die nun fehlenden PET-Flaschen in den Abfalleimern werden den von Umweltminister Klaus Töpfer ausgerufenen Müllnotstand kaum mildern.

Töpfers Sieg über die Plastikflaschen hat vor allem einen bemerkenswerten Symbolwert: Erstens hat sich ein Umweltminister gegen den erbitterten Widerstand der betroffenen Industrie durchgesetzt, was selten genug vorkommt. Und zweitens hat er bewiesen, daß sich mit ökonomischen Anreizinstrumenten eine wirkungsvolle Umweltpolitik betreiben läßt. Aus dieser Erfahrung sollte Töpfer Lehren für die Zukunft ziehen. vo