Ein Denkmal, wie Georges Pompidou es sich 1977 mit dem Beaubourg setzte, möchte François Mitterrand sich jetzt mit der Opera de la Bastille errichten. Ob freilich das Prestige-Projekt von Januar 1990 an bespielbar sein mag, wird immer fraglicher: Pierre Berge, Präsident aller Pariser Opern (und Generaldirektor bei Yves Saint-Laurent), setzte am Wochenende den Dirigenten Daniel Barenboim, der seit eineinhalb Jahren die Planungsarbeit für die ersten vier Spielzeiten leistet, vor die Tür; der Theater-Generaldirektor war zwei Tage zuvor zurückgetreten, der technische Direktor entlassen – die erste Garnitur der demnächst zu erwartenden Dirigenten, Regisseure und Sänger zog solidarisch ihre Zusagen zurück.

Barenboim wollte in einem High-Tech-Haus ein modernes Programm auf höchstem Niveau – was freilich nicht jeden Tag zu bieten ist; Berge dagegen möchte möglichst häufig ein populäres Repertoire zu für jedermann erschwinglichen Preisen. Nun sind Glanz und Elend eines durchschnittlichen Opernhauses in Mitteleuropa überall zu finden. Allein Paris dürfte heute noch die Möglichkeit haben, ein freilich äußerst elitäres, aber eben singuläres und darum notwendiges Haus aufzubauen, in dem die höchste Qualität einziger Maßstab ist. Doch nun scheint es, als werde diese letzte Chance durch nivellierende und unkünstlerische Krämerseelen wie pseudolinke Kleinkunstmanager verspielt. H. J. H.