Der Chef der neuen Versicherungsgesellschaft ist ein wichtiger Stratege des Konzerns

Von Hans Otto Eglau

Johann Wieland, Direktor mit Generalvollmacht in der Frankfurter Zentrale der Deutschen Bank, wurde zu seinem obersten Chef gerufen. Der Vorstand, so eröffnete Alfred Herrhausen dem Leiter seiner "Abteilung für Konzernentwicklung" im vergangenen Dezember, habe beschlossen, ihm die Führung der geplanten Lebensversicherungs-Gesellschaft zu übertragen. Nach kurzer Beratung mit seiner Frau ("Du mußt es wissen") sagte Wieland zu.

So völlig überraschend kam die Offene für den Bankmanager nicht. Wielands Truppe war neben der Privatkundenabteilung maßgeblich an den Vorarbeiten für den kurz vor Weihnachten offiziell verkündeten Einstieg des größten deutschen Geldkonzerns ins Versicherungsgeschäft beteiligt. Daß seine Berufung für viele dennoch überraschend kam, hat einen einfachen Grund: Wieland wird im März 64 – ein Alter, in dem sich auch die Herren der Deutschen Bank auf einen sanften Übergang in den Ruhestand vorzubereiten beginnen und nicht auf die größte Herausforderung ihrer Karriere.

Davor jedoch steht der künftige Chef der Deutsche-Bank-Lebensversicherung-AG auf jeden Fall. Über kaum einen anderen Schachzug des Branchenführers wurde bereits im Vorfeld der Entscheidung so ausgiebig und hitzig diskutiert und spekuliert, wie über das Eindringen der Deutschen Bank in die geheiligten Sphären der Assekuranz. Jeden Schritt des Neulings, so viel steht schon heute fest, werden die alten Hasen der Versicherungswirtschaft argwöhnisch beäugen, die geringste Schwäche, den kleinsten Fehler, mit heimlicher Schadenfreude registrieren.

Keine Angst vor Erfolgsdruck

Doch der auf ihm lastende Erfolgsdruck schrecke ihn nicht, behauptet Wieland ("Ich bin ein harter Kämpfer"). Die organisatorischen Vorbereitungen seien voll im Zeitplan: Bereits im Frühjahr wird in den Zweigstellen der Bank damit begonnen, die Mitarbeiter für den Vertrieb des neuen Finanzprodukts zu schulen. Im Herbst sollen die ersten Policen über den Bankschalter gehen – die rechtzeitige Zustimmung der Berliner Versicherungsaufsicht vorausgesetzt. Anfang kommenden Jahres will Wieland dann mit seiner weitgehend kompletten Truppe von etwa 180 Leuten zum Mutterhaus auf Distanz gehen und ein eigenes Gebäude in Wiesbaden beziehen.