Genau 337 Sendungen, die sich wie ein Schweinderl dem anderen glichen. Bei "Was bin ich?", dem "heiteren Beruferaten" mit Robert Lembke, blieb stets alles beim alten, über 33 Jahre immer das gleiche. Das war sein Erfolgsrezept. Die Sehnsucht nach Verläßlichkeit, hier fand sie ihre Entsprechung. Fernsehzuschauer und Rateteam blieben sich treu und alterten gemeinsam.

Wie sein Quiz war Robert Lembke heiter und von auffallender Unauffälligkeit. Am Ende seines Lebens ein zierlicher alter Herr, charmant, wohlerzogen und gleichzeitig unbekümmert frech. Er hatte Spaß an Klatsch und Tratsch von Qualität, erzählte selbst gern Anekdoten und Geschichten über Kollegen und TV-Prominenz – und so oft er sie erzählte, erzählte er sie stets taufrisch. Neugier und Routine. Er war Journalist.

Robert Emil Lembke wurde am 17. September 1913 in München geboren und protestantisch erzogen unter Katholiken. Das Jurastudium brach er ab, nach knapp zwei Semestern. Es langweilte ihn vor allem die Sprache dieser Branche. Nicht einmal zwanzig Jahre alt, schrieb er für den Simplicissimus, das Berliner Tageblatt.

Was damals in München an nationalsozialistischer Euphorie hochkochte, riß ihn nicht mit. Als Journalist zu arbeiten, war ihm nach 1933 nicht behaglich. Mitzulaufen war ebensowenig seine Sache wie zu kämpfen. Er hielt sich zurück und wurde Anzeigenvertreter, war bis 1935 im Rudolf-Mosse-Verlag und danach allerdings bei IG Farben, jedoch im Auslandsverkauf und bei der Entwicklung von Leuchtfarben.

Sofort nach Kriegsende arbeitete Robert Lembke wieder als Journalist, diesmal als innenpolitischer Ressortchef bei der Neuen Zeitung, einem von der amerikanischen Besatzungsmacht herausgegebenen Blatt. Fünf Jahre später war er Chefredakteur und wurde dann Fernsehdirektor des Bayerischen Rundfunks. Das Fernsehen aufgebaut hat Robert Lembke zu einer Zeit, als die Bundesbürger abends noch Radio hörten. Zum Beispiel das "heitere Ratespiel um Worte und Begriffe", auch "17 und 4" genannt, Quizmaster war: Robert Lembke.

Er war verspielt. Und er war genau. Die gespitzten Bleistifte auf seinem Schreibtisch lagen in einer Richtung. Er veröffentlichte Bücher, in denen er das verwertete, was anderen nicht weiter wichtig schien, und sich selbst dazu: "Aus dem Papierkorb der Weltpresse" bis zu "Robert Lembkes Witzauslese". Mit großer organisatorischer Begabung war er als Chef des Deutschen Olympia-Zentrums 1972 verantwortlich für die Fernseh- und Hörfunkübertragung der XX. Olympiade aus München in alle Welt.

Die zehn Dienstagabende im Jahr, an denen nach der Tagesschau Robert Lembke mit den Worten "Grüß Gott und herzlich willkommen bei ‚Was bin ich?‘" in 14 Millionen deutsche Wohnzimmer trat, werden schwer auszufüllen sein. Robert Lembke starb 75jährig am vergangenen Sonntag in München. Viola Roggenkamp