Der Wunsch nach Gleichberechtigung – für immer ein Traum? Amerikas Schwarzen geht es schlechter als vor zwanzig Jahren

Von Michael Schwelien

Es war heiß und schwül, auf den Feldern stand die Baumwolle reif und dicht, Zeit, zu ernten. Die Nacht war schwarz, wie man damals sagte, so schwarz wie das Pik As. Bestimmt hatten die drei Bürgerrechtler, der schwarze James Chaney aus dem Süden und die beiden Weißen Andrew Goodman und Michael Schwerner aus dem Norden, Angst, als sie durch Philadelphia im Herzen Mississippis fuhren. Denn zu jener Zeit saßen Schwarze und Weiße nicht zusammen im Auto, aßen nicht am selben Tisch, selbst die Toiletten waren getrennt für White und für Colored.

Es war eine Zeit des Heldenmuts und des Horrors. 1960: Vier schwarze Studenten wagen es, sich in Greensboro, North Carolina, an einen Restaurant-Tresen zu setzen, der Weißen vorbehalten ist. 1961: Die Bürgerrechtlervereinigung Congress of Racial Equality startet "Freiheitsfahrten" in den Süden, um die Rassentrennung auf den Busbahnhöfen zu bekämpfen. 1962: James Meredith schreibt sich als erster Schwarzer – unter dem Schutz der Nationalgarde – an der Traditions-Universität von Mississippi, genannt "Ole Miss", ein.

Schon bald schlugen die Weißen zurück. Mai 1963: Der Beauftragte für "öffentliche Sicherheit" von Birmingham, Alabama, Bull Connor, hetzt Hunde auf Bürgerrechtler und läßt die friedlich Demonstrierenden mit Feuerwehrschläuchen regelrecht von der Straße spülen. Juni: Der schwarze Bürgerrechtler Medgar Evers wird in Jackson, Mississippi, ermordet. September: Vier schwarze Kinder sterben bei einem Bombenanschlag auf eine Kirche in Birmingham, Alabama.

Was würde das nächste Jahr bringen? Neue Erfolge bei den oft wagemutigen Versuchen, die Rassentrennung in Schulen, Restaurants und öffentlichen Plätzen aufzuheben? Oder mehr Drohungen, Polizeiübergriffe und Mordanschläge? Oder beides?

In jenem Jahr, 1964, gewann der schwarze Arthur Ashe das Tennis Turnier U.S. Open. Der Priester und Führer der gewaltfreien Bürgerrechtsbewegung, Martin Luther King, erhielt den Friedensnobelpreis. Der Senat in Washington verabschiedete das Bürgerrechtsgesetz, welches die Rassentrennung verbot. Doch zwei Tage später, am 21. Juni 1964, fanden in Mississippi die drei jungen Männer, Chaney, Goodman und Schwerner, den Tod. Angeblich wegen zu schnellen Fahrens hatte die Polizei von Philadelphia sie angehalten und festgenommen. Nachts wurden sie aus dem Gefängnis entlassen. Sie wurden nie wieder lebend gesehen.