Tapfer trugen die Schweizer den Schicksalsschlag. Kein allzugroßes Wehklagen rauschte durch den Blätterwald, doch manch eidgenössischer Fremdenverkehrsbrust mag sich ein Seufzer entrungen haben. Denn Tort taten die Amerikaner dem Lande des Teil an, genauer gesagt der Filmproduzent Michael Douglas. Kühn geographische Grenzen übergehend, transponierte er Johanna Spyris "Heidi", ein Werk so schweizerisch wie Appenzeller oder Alphörner, von den helvetischen Bergen mir nichts, dir nichts in die Steiermark. Und die liegt nachweislich in Österreich.

Ganz verargen kann man es dem Filmmann ja nun nicht. Zum einen nahm er’s ohnehin nicht so genau mit der Mir vom lieben Maidli, denn gedreht wurden Heidis (gemimt von einer Britin) Abenteuer als Halbwüchsige, und der Geißenpeter (in Szene gesetzt von einem US-Akteur) hütet nun auch keine Ziegen mehr, sondern ist zu den Soldaten gegangen. Zum anderen wurde den Amerikanern die Entscheidung, "Dörfli" in die Dachstein-Tauern-Region zu überführen, auch nicht schwer gemacht. In Österreich lud man millionenschillingsteuer zu Kost, Logis und mehr, wohl in der unverbrüchlichen Hoffnung auf gewinnträchtigen Werbewert. Schließlich strömt ein seit Jahren nicht versiegender US-Touristenfluß allein deshalb nach Salzburg, weil Julie Andrews in dem Film "The Sound of Music" dort als Trapp-Baronin agierte. In der Steiermark wurden, von den heimischen Medien stark beachtet, die amerikanischen Drehkünstler am Spielen Ursprungsalm gar von einem leibhaftigen Landeshauptmann hofiert. Vielleicht haben die sparsamen Schweizer halt einfach zu lange auf ihren Fränkli gesessen.

Aber auch bei denen war man ja nie ganz sicher, wo der Alm-Öhi, Heidi, Bärli und Schwänli denn nun wohnen, obwohl Johanna Spyri akribisch genau den Weg zur Alm vorgeschrieben hatte: "Am Fuße einer Bergkette, deren Höhen drohend in das Berg"! herabblicken, liegt das kleine Städtchen Mayenfeld. Wo der Fußpfad sanft zur Höhe hinaufsteigt..." Aber schon die Werbestrategen des Oberengadin hatten Heidi in ihre Höhen umziehen lassen, die flugs in "Heidiland" umgetauft wurden.

Da kann man schier die Orientierung verlieren. Cineasten jedoch sind ja abgehärtet. Western wurden in spanischer Einöde gedreht, Karl-May-Filme im karstigen Jugoslawien, die Fernseh-Buddenbrooks spazierten nie durch die Gassen von Lübeck, sondern durch Danzig, die Lindenstraße steht in Köln und nicht in München.

Immer diese Täuschungen. Indes – "Wasser ist Wasser", sagte einmal ein weitgereister Amerikaner, als er, vor einem idyllischen oberbayerischen See stehend, gebeten wurde, seine Begeisterungsbekundungen abzuliefern. Ihm wurde kein wesentlicher Unterschied zum Pazifik klar.

Ob Österreich, ob Schweiz: Wir sollten ein für allemal Schluß machen mit der Konkurrenz. Hauptsache, recht viele Urlauber kommen, wenn die gesamtalpenländische Heidi über die Bildschirme geflimmert ist. Berge sind Berge, und Alpen sind Alpen. Monika Putschögl