Die Kundschaft von Banken und Sparkassen muß mit höheren Kontoführungsgebühren rechnen. Das ergibt sich aus der Reaktion des Geldgewerbes auf das jüngste Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) zur Buchungspraxis der Banken und Sparkassen (ZEIT Nr. 4 vom 20. Januar 1989). Die Karlsruher Richter hatten entschieden, daß Bareinzahlungen künftig sofort gutgeschrieben werden müssen, wodurch der Branche ein Zinsvorteil genommen wird, den die meisten Institute lange Zeit als indirekten Ertrag im Zahlungsverkehr trefflich zu nutzen wußten.

Damit ist die oft als Zinsschinderei apostrophierte Wertstellungspraxis der Banken und Sparkassen allerdings nicht gänzlich aus der Welt. Schecks und Überweisungen werden den Kunden meist immer noch nicht sofort gutgeschrieben. Viele Kreditinstitute verfügen dadurch länger als technisch nötig über das Geld der Kundschaft und können es zum eigenen Nutzen zinsbringend am Geldmarkt anlegen. Das ist derzeit noch möglich, weil das Urteil von der Geldzunft eng ausgelegt wird. Ganz in diesem Sinne äußerte sich der Zentrale Kreditausschuß (ZKA) der Spitzenverbände von Banken und Sparkassen: Die BGH-Entscheidung richte sich "allein gegen die Berechnung von Wertstellungen bei Bareinzahlungen auf Privatgirokonten".

Weil die obersten Richter allerdings nach dem Urteilsspruch generell den Rat gaben, eine Kostendeckung im Giroverkehr möge nicht mit unberechtigten Wertstellungsgewinnen, sondern "in Form offen ausgewiesener Gebühren geschehen", hieß es beim ZKA auch, man wolle die schriftliche Urteilsbegründung abwarten, um "die Entgelte im gesamten Zahlungsverkehr" zu prüfen.

Seit eh und je beklagen Bankmanager den Zahlungsverkehr als Zuschußgeschäft. Branchenschätzungen zufolge, werden die Kosten nur zu einem Drittel durch Kontoführungsgebühren und zu einem Teil durch Wertstellungsgewinne gedeckt. Deshalb erscheint es Außenstehenden durchaus plausibel, daß Gebührenerhöhungen für den Fall angekündigt werden, wenn Banken und Sparkassen generell auf die Zinsschinderei verzichten sollten.

Solch eine Schlußfogerung indes ist überhaupt nicht zwingend, wie eine Untersuchung von Horst Slevogt zeigt. Der Professor für Bankbetriebslehre an der Universität in Kiel wirft den Kreditinstituten vor, sie kalkulierten Kosten und Erträge im Zahlungsverkehr falsch und kämen so zu dem Ergebnis, diese Sparte werde defizitär geführt.

Slevogt bezieht sich dabei auf eine Studie des Arbeitskreises "Planung in Banken" der Schmalenbach-Gesellschaft. Die hatte den technischen und personellen Aufwand im Zahlungsverkehr der Privatkundschaft vor geraumer Zeit mit jährlich 4,5 Milliarden Mark veranschlagt. Dem stünden Gebühreneinnahmen von nur 1,5 Milliarden Mark gegenüber.

Doch neben Kontoführungsgebühren, die als direkte Erträge des Zahlungsverkehrs bezeichnet werden, gibt es noch die in der Schmalenbach-Studie ignorierten indirekten Erträge.