Afghanistan

Erst der Krieg, dann der Hunger: Die Rote Armee zieht aus Afghanistan ab, der erste sowjetische Mehlbomber mit Nahrungsmitteln fliegt in Kabul ein. In der afghanischen Hauptstadt drängeln sich über zwei Millionen Flüchtlinge. Sie reißen sich um Brot, Benzin, Brennholz, berichten unlängst ausgereiste westliche Diplomaten.

Das Auswärtige Amt in Bonn oder das britische Foreign Office muteten ihren Angestellten und Beamten die Arbeit in der umkämpften Hauptstadt Afghanistans nicht länger zu. Die vielen Flüchtlinge aber, die sich vor dem Krieg in die Kapitale flüchteten und nun vom Hunger bedroht sind, können aus dem Ring, den die Mudschaheddin immer enger schließen, nicht mehr entfliehen.

Die Sowjets halten an dem Versprechen fest, ihre Soldaten bis Mitte Februar abzuziehen. Die Widerstandsgruppen scheinen sich bislang zu einer politischen Zusammenarbeit nicht durchringen zu können. Die von Pakistan aus operierenden Rebellen schlugen zwar eine Schura, eine traditionelle Ratsversammlung, vor; doch die Hälfte der vom Iran aus agierenden Mudschaheddin lehnte prompt ab.

Seit Wochen versuchen die Sowjets, den vor über fünfzehn Jahren gestürzten Zahir Schah ins Spiel zu bringen. Allein, der einstige Bergkönig der Afghanen sitzt vorläufig im römischen Exil und wartet noch auf seine Stunde. Er lehnt wie die meisten Widerstandskämpfer jede Beteiligung der Kommunisten an einer künftigen Regierung der nationalen Einheit ab.

Unterdessen wird Kabul von einem Staat mit Nahrungsmitteln versorgt, dessen eigene Versorgungslage nicht eben rosig ist. Teuer bezahlt die Sowjetunion für ihre "alten Sünden", wie Michail Gorbatschow Moskaus Intervention in Afghanistan vor kurzem nannte. Noch teurer aber zahlen die Afghanen selbst. van