Genesung durch Echinacea? Der neue Renner der Pharmaindustrie

Von Ulrich Stock

Winter ist. Grippe droht. Medizin muß her. Die Sekretärin Waltraud Stabaginski aus Hamburg, 45 Jahre alt, schwört schon lange auf "Esberitox N". "Ich bin für Naturheilmittel", sagt sie, "besser sowas, als irgendein chemisches Präparat." Auch ihre Tochter Sarah, fünfeinhalb, bekommt die Tropfen aus der 50-Milliliter-Flasche zu 15 Mark. "Im Kindergarten", weiß Frau Stabaginski, "steht Esberitox flaschenweise auf dem Schrank."

Anke Sommer, Kunststudentin in Münster, 26 Jahre alt, nimmt seit zwei Monaten "Echinacin", "das war ein Tip von meiner Mutter". Die 100-Milliliter-Flasche kostet 23 Mark 95; "die langzeitbehandlung", so verrät der Beipackzettel, erfordert "3 mal täglich 20 Tropfen".

Anke Sommer fehlt eigentlich nichts. "Ich hab’ das jetzt genommen, weil ich gerade einen Teil vom Examen hinter mir habe und von mir weiß, daß ich nach besonderen Streßzeiten immer anfällig bin. In Münster ist gerade eine ziemliche Erkältungswelle" und auch hier in meiner WG sind welche krank."

Zu ihrer Überraschung stellte die Studentin fest, daß eine Freundin das gleiche Mittel anwendet, und "witzig" sei es in der Apotheke gewesen, als sie den Namen des Medikamentes verweisen hatte: "Neben mir stand jemand, der das auch haben wollte, Da hab ich selber schon gemerkt, daß das wohl der Renner ist im Moment."

Ulrich Paasch, Grundschullehrer im holsteinischen Seester, war seit einem Jahr nicht mehr krank. "Damals hab’ ich aufgehört zu rauchen, hab’ zehn Mio abgenommen im Herbst, ernähre mich fast vegetarisch, voll wertmäßig. Aber gestern hatte ich so ein erkältetes Gefühl, da hab’ ich mich schon gefragt. "Sollst du dir Echinacin kaufen?‘" Es blieb bei der Frage; er ging joggen, das halb