Unliebsame Post bekommen in diesen Tagen die Chefs von knapp zwanzig Zementfabriken in Süddeutschland. Absender ist das Bundeskartellamt in Berlin. Die Wettbewerbsbehörde ist in fast zehnmonatigen Ermittlungen zu dem Schluß gekommen, daß die Firmen durch gegenseitige Absprachen ein verbotenes Quotenkartell gebildet und so den Wettbewerb zum Schaden der Abnehmer behindert haben.

Zu den Betroffenen gehört auch der Branchenführer, die Heidelberger Zement AG. Deren Vorstandsvorsitzender Peter Schuhmacher, zugleich Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Zementindustrie, hatte in der Vergangenheit den Kartellverdacht immer mit dem Argument abgewehrt, Zement sei in der Bundesrepublik billiger als im Ausland, eine Wettbewerbsbeschränkung könne also nicht vorliegen.

Das Kartellamt kann wegen eines Verstoßes gegen das Kartellgesetz pauschal Bußgelder bis zu einer Million Mark pro Unternehmen verhängen. Gelingt es den Beamten herauszufinden, wieviel die Firmen an dem Kartell verdient haben, so steigt das Bußgeld bis auf das Dreifache dieses Mehrverdienstes.

Berthold Beitz macht jetzt Nägel mit Köpfen. Anfang Dezember vergangenen Jahres tat er kund, er werde den Aufsichtsratsvorsitz bei Friedrich Krupp im Juni 1989 niederlegen, jetzt hat er offensichtlich einen Nachfolger gefunden. Alfred Herrhausen, Vorstandssprecher der Deutschen Bank, soll Beitz beerben und dafür sorgen, daß bei Krupp wieder Ruhe einkehrt.

Für Herrhausen ist die neue Aufgabe durchaus reizvoll, denn ihm winkt wohl noch mehr als der Aufsichtsratsvorsitz. Beitz sucht ja auch seinen Nachfolger für den Vorsitz im Kuratorium der Krupp-Stiftung, die rund 75 Prozent der Geschäftsanteile von Krupp hält. Wer Beitz beerbt, wird zur bestimmenden Kraft im Konzern. Überdies gibt es für dieses Amt keine Altersgrenze, Herrhausen hätte also eine feste Burg, wenn er in gut sechs Jahren bei der Deutschen Bank ausscheiden muß.

Mit dem Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrats sind auch die Tage des amtierenden Vorstandsvorsitzenden Wilhelm Scheider gezählt. Sein Vertrag läuft Ende des Jahres aus, der Nachfolger ist mit Gerhard Cromme – in Personalunion Vorstandsmitglied bei Krupp und Vorstandsvorsitzender von Krupp Stahl – schon im Hause. Die Frage ist nur, ob Scheider bis zum Jahresende bleibt oder schon früher geht.

Sorgen macht sich das Management von Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) um seinen späteren Einfluß im Daimler-Benz-Konzern, der ja den größten deutschen Luft- umd Raumfahrtkonzern übernehmen will, und fühlt sich von Daimler nicht genug beachtet. Vor seinen leitenden Mitarbeitern sagte MBB-Chef Hanns Amt Vogels, der Münchner Konzern wolle "gleichberechtigt mitgestalten", wenn es um die Neuordnung der Luftfahrtindustrie gehe. "Wir müssen sicherstellen, daß wir nicht zum Juniorpartner degradiert werden." Die Stuttgarter Autobauer seien sicherlich nicht schlecht beraten, wenn sie wohlmeinenden Rat von MBB anhörten. "Es spart Geld und vermeidet Irrwege." Offenbar ist die MBB-Führungsmannschaft mit der von den Daimler-Strategen noch vor der MBB-Übernahme geplanten künftigen Holding-Organisation der neuen Firma Deutsche Aerospace, in der die Daimler-Firmen AEG, MTU und Dornier und später auch MBB zusammengeschlossen werden sollen, nicht zufrieden. Vogels: "Es kann ja nicht sein, daß man über die bestehenden Overhead-Strukturen zusätzliche Holdingstrukturen stülpt. Das hält das stärkste Produkt nicht aus."