Eberhard Fechner und die Kunst des Erzählens

Von Ute Blaich

Alle kennen seine Filme. Nur wenige kennen den Namen des Mannes, der sie macht. Das ist kein Zufall. Eberhard Fechner selbst kommentiert das lapidar: "Mich interessiert die Arbeit, nicht der Exhibitionismus."

Fechner ist der profilierteste Fernseh Regisseur in diesem Lande: ein sensibler Chronist, besessener Arbeiter, Erfinder eines filmischen Genres, für das bis heute keine erschöpfende Bezeichnung existiert. Seine Filme sind Montage, Interview, Augenzeugenbericht, Sozialreportage, Gespräch, Dialog, Essay – von allem ein wenig und viel mehr. Seine Lebensbeschreibungen in Bildern sind Literatur mit anderen Mitteln. Sie sind vor allem nicht einfach Dokumentation, denn das Dokumentarische daran besteht lediglich in authentischen Photos, Ton- und Filmaufnahmen.

Aus dem Material monatelang gesammelter Gespräche und Aussagen fügt Fechner in komplizierter Architektur und haarfeiner Seziertechnik ein Mosaik, das Zeitgeschichte und Biographien minuziös und kunstvoll verschränkt. Daß diese filmischen Kompositionen so oft als bloße "Dokumentationen" mißverstanden worden sind, liegt am bestechend einfachen Erzählstil des Regisseurs – klar, unaffektiert, ohne das Pipapo künstlerischer Selbstbespiegelung.

Entstanden ist auf diese Weise im Verlauf von zwanzig Jahren ein Gemälde deutscher Geschichte und Gesellschaft, behutsam zusammengefügt aus akribisch gezeichneten Einzelportraits der unterschiedlichen Klassen: Proletariern, Großbürgern, Aristokraten, Kleinbürgern, Künstlern. Geschichte sichtbar gemacht an Schicksalen einzelner Menschen.

Blick hinter die Kulissen