Es ist immer das gleiche Spiel. Die Sprecher des von Großagrariern geführten Bauernverbandes lamentieren über die angeblich schwerste Krise der Zunft, und der Bonner Landwirtschaftsminister – als wäre er einer der Ihren – macht sich das Wehgeschrei der Lobby zu eigen. Nie zuvor sind die Bauern von Verbrauchern und Steuerzahlern so großzügig durchgefüttert worden. Doch im Moloch Landwirtschaft verschwinden die Milliardensubventionen wie in einem Faß ohne Boden. Die Agrarpolitik ist eine einzige Fehlkonstruktion (siehe auch Seite 36).

Erstens ist sie verschwenderisch. Um das Einkommen der Bauern um eine Mark zu erhöhen, werden Verbraucher und Steuerzahler mit 1,50 Mark zur Kasse gebeten. Zweitens wird die landwirtschaftliche Entwicklung in den Ländern der Dritten Welt durch die Überproduktion in Europa behindert. Drittens hat sich die Landwirtschaft zu einem der größten Umweltverschmutzer entwickelt. Viertens ziehen immer mehr Verbraucher die Qualität der Nahrungsmittel in Zweifel. Und fünftens hat all das viele Geld nicht geholfen, das Wehklagen der Bauern zu beenden.

Freilich: Im Februar vor einem Jahr beschlossen die Regierungschefs der zwölf EG-Mitgliedstaaten höchstpersönlich, die Last der Agrarausgaben endlich zu begrenzen. Sie geizten damals nicht mit Eigenlob für diese angebliche Reform. Nun will der neue Brüsseler Agrarkommissar Ernst machen und fordert, die zu hohen Preise, Wurzel des ganzen Übels, einzufrieren. Daß Bauernführer Constantin Freiherr Heeremann dies "ungeheuerlich" findet, gehört zu seinem Job. Daß aber auch Landwirtschaftsminister Ignaz Kiechle "entschiedenen Widerstand" gegen die Brüsseler Vorschläge ankündigte, ist fast ein Skandal. vo