Von Theo Sommer

ZEIT: Herr Späth, der Ministerpräsident eines Bundeslandes besucht Feuerwehrhauptversammlungen und hält die Festansprachen bei Betriebsjubiläen. Dann aber wird er zum Außenpolitiker oder Außenwirtschaftspolitiker und spricht im Kreml mit Michail Gorbatschow oder setzt sich in China für die Industrie seines Bundeslandes ein. Pfuschen die Länder hier dem Bund ins Handwerk?

Späth: Dadurch, daß eine Reihe von Ministerpräsidenten der Länder in Führungspositionen der Bundespartei sind, ergibt sich natürlich ein prinzipielleres Interesse an der Gesamtpolitik. Ich halte es allerdings für wichtig, daß da einige Spielregeln eingehalten werden. So dürfen offizielle Erklärungen zu außenpolitischen Fragen von Ministerpräsidenten ganz einfach nicht abgegeben werden.

ZEIT: Lassen Sie sich einen Trinkspruch, den Sie im Kreml ausbringen, vom Auswärtigen Amt vorher absegnen?

Späth: So routiniert bin ich, glaube ich, daß ich die Trinksprüche schaffe, ohne außenpolitische Kollisionen zu erzeugen. Ich mache aber keine Auslandsreise ohne intensiven Kontakt mit dem Außenministerium, und ich habe im Ausland auch immer den deutschen Botschafter dabei.

ZEIT: Sie haben mit Gorbatschow gesprochen und anschließend gesagt, es liegt in unserem massiven Interesse, daß er Erfolg hat.

Späth: Richtig. Und dabei bleibe ich, weil ich meine, was er will, bietet uns eine gewaltige Chance.