Ein Rechtsstreit um angebliche oder tatsächliche Lärmbelästigung durch Sport ist nach sieben Jahren von der höchsten Instanz ruhiggestellt worden. Was Verwaltungsgericht und Oberverwaltungsgericht zuvor in dieser Sache befunden hatten, hat das Bundesverwaltungsgericht jetzt grundsätzlich für rechtens erklärt: Auf einem öffentlichen Sportplatz im Hamburger Norden, einer erst vor zehn Jahren für drei Millionen Mark errichteten Bezirkssportanlage, darf – abgesehen von allen anderen Einschränkungen – sonntags nicht mehr Fußball gespielt werden.

Die Bewohnerin eines angrenzenden Grundstücks hatte das Recht auf Ruhe vor der eigenen Haustür eingeklagt und Recht bekommen. Nach Lage der Dinge wie nach dem Buchstaben des Immissionsschutzgesetzes konnten die Richter nicht anders entscheiden. Revisionsrechtlich war nicht zu beanstanden, wie die Vorinstanzen die an garantiert tiefflugfreien Sonntagen vom Meßtrupp des TÜV im Garten der Klägerin ermittelten Dezibel gewürdigt hatten, und wer um die nervtötende Wirkung eines tropfenden Wasserhahns weiß, wird die fußballtypische Geräuschemission der menschlichen Stimme ("Achtung, Hintermann!") und des unablässig gegen die Querlatte klatschenden Leders ja auch nicht unterschätzen.

Alles rechtens, aber auch alles richtig? Fußball, so hat, wenn wir uns seiner Worte recht erinnern, der Jugendtrainer Wilhelm Busch schon gewußt, wird oft nicht schön gefunden, weil er stets mit Geräusch verbunden. Immerhin durften früher alle Mäxe und Moritze auf der Straße bolzen, zwar auch nicht immer zur reinen Freude ihrer engeren Umgebung, doch allenfalls gefährdet durch Ohrfeigen, wenn sie den Ball in Nachbars Fensterscheibe droschen. Heute ist die Straße nur noch ein Sportplatz fürs Auto, sind Spiel und Sport in Reservate verwiesen. Und verdiente Vereinsvorsteher, stolz darauf, die Jungen von der Straße weg in den Verein geholt zu haben, stolz und in Sorge um ihre vielen Jugendmannschaften, verstehen die Welt nicht mehr, wenn sie nun erleben müssen, daß man ihnen sonntags die Tore zumacht.

Der Interessenkonflikt ist geläufig, und er tritt zusehends schärfer zutage. Der Anspruch des einzelnen auf ungestörte Nutzung seines Privateigentums, sprich Grundstücks, kollidiert mit dem Bedürfnis vieler, Feierabend und Wochenende zu Spiel und Sport zu nutzen – möglichst auf einem Sportplatz in erreichbarer Nähe. Gerichte vermögen diesen Konflikt nicht zu lösen. Die "Technische Anleitung Lärm", an der sich hierzulande Geräuschpegel wie Richterurteile zu orientieren haben, ist kein Handbuch für Fairplay; ihre Toleranz werte sind rein technischer Natur.

Das Gericht sprach von dem Hamburger Fall als von einem "Einzelfall unter ganz besonderen Umständen". Doch allein in Hamburg gibt es Beschwerden gegen Sportanlagen in über sechzig Fällen. Wohin also mit dem Drang nach Auslauf in der Freizeit? Wann, wie und wo darf sich der Mensch seinem Spieltrieb noch hingeben, ohne fürchten zu müssen, der Umwelt zur Last zu fallen?

Guten Gewissens wohl nie und nirgends mehr. Nicht in Wohngebieten jedenfalls – da stoßen Spiel- und Sportanlagen an die Grenzen der Toleranz; nicht draußen in freier Landschaft – da stoßen sie auf ökologische Bedenken. Nicht bei Sonnenschein, wenn es die Anwohner in die Liegestühle auf ihren Terrassen zieht, und nicht bei Regen; nicht am frühen Morgen und nicht am späten Abend.

Ja, und nicht am Sonntag. Dafür wird der Mensch, wenn die Zeichen am Horizont nicht tragen, demnächst vielleicht in größerer Zahl des Sonntags wieder zur Arbeit gehen dürfen. In aller Ruhe. Aloys Behler