Der deutsche Aktienmarkt befindet sich weiterhin in einer Konsolidierungsphase. Kurssteigerungen ergeben sich vornehmlich bei Papieren der "zweiten oder dritten Linie", wie die Spezialwerte in den Börsensälen genannt werden. Für Standardaktien gilt das nicht. Bei ihnen macht sich wieder einmal das Fehlen größerer Kaufaufträge aus dem Ausland bemerkbar.

Zu Verkäufen aus dem Ausland ist es in jüngster Zeit bei Daimler gekommen. Sie wurden ausgelöst durch geradezu abenteuerliche Gewinnschätzungen für 1988. Der Vorstand hat zwar einen Ertragsrückgang eingeräumt, aber dieses Eingeständnis bedeutet sicherlich nicht, daß sich das Ergebnis je Aktie im vergangenen Jahr halbiert hat, wie es gerüchteweise in London heißt. Immerhin haben die Gerüchte dazu geführt, daß der Daimler-Kurs, der in diesem Jahr bis annähernd 770 Mark gestiegen war, zeitweise auf unter 680 Mark zurückging, sich inzwischen aber wieder etwas erholt hat. So große Schwankungen in einem Spitzenpapier sind selten und lassen auf verunsicherte Anleger schließen. Eine Situation, die besonders von englischen Brokern ausgenutzt wird. Deutsche Großanleger sind gegenüber Daimler-Aktien deshalb vorsichtig geworden. Einige von ihnen sehen sichere Chancen in den Aktien der Stahlproduzenten, obwohl sich bei ihnen die Kurse in den vergangenen zwölf Monaten teilweise mehr als verdoppelt haben. K.W.