Von Meinrad Scherer-Emunds

Trekking" heißt seit einiger Zeit das Zauberwort für Unternehmungslustige, die jährlich die Bergpfade um Mount Everest, Langtang, Dhaulagiri oder Annapurna erwandern. Am beliebtesten ist das Gebiet nördlich von Pokhara, das herrliche Aussichten auf das Annapurna-Massiv mit "Nepals Matterhorn", dem Machhapuchhare, bietet. Auf relativ kleinem Raum entfaltet sich hier eine einmalige landschaftliche, ethnische und kulturelle Vielfalt.

Wo vor 20 Jahren Abenteurer nur vereinzelt in den Dörfern des Annapurna-Gebiets um Aufnahme baten, zieht heute ein Strom von jährlich 25 000 Trekkern durch die Berge. In Tatopani, einem Dorf, das wegen seiner heißen Quellen zu einem beliebten Rastplatz am populären Jomsom-Trek geworden ist, hat sich die Gastronomie bereits auf die ausländische Kundschaft eingestellt. Den Wanderern wird mit Pizza, Lasagne, mit Tacos und Hamburgern, Wiener Schnitzel und Apfelstrudel aufgewartet.

Doch die Invasion der Trekker blieb nicht ohne schwerwiegende, oft keineswegs auf den ersten Blick erkennbare Folgen für die Umwelt. "Hinter der unglaublichen Grandeur Nepals verbirgt sich eine erschreckende Zerbrechlichkeit", sagt der Australier Bill Jones. Heute befinde sich Nepal am Rand einer Krise, und der Trekking-Tourismus sei dafür mitverantwortlich. Die Landschaft werde – wenn auch unbeabsichtigt – von denselben Leuten zerstört, die hierher kämen, um deren Schönheit zu bewundern.

Bill Jones lebt seit mehr als zwei Jahren in Ghorepani, wo jährlich 18 000 Wanderer an einem Paß Station machen. Er und zwei Australierinnen von Area (Association for Research and Environmental Aid), einer Vereinigung für Forschung und Umwelthilfe, versuchen, gemeinsam mit den örtlichen Herbergsbesitzern die Umweltprobleme anzugehen. Ihre Hauptaufgabe sehen sie darin, das Waldsterben zu stoppen, das in Nepal nicht durch Luftverschmutzung, sondern durch unkontrolliertes Abholzen verursacht wird.

Holz deckt 85 Prozent des nepalesischen Energiebedarfs, eine Situation, die, verschärft durch Bevölkerungswachstum und größeren Energieverbrauch, zu einem alarmierenden Schwund des Waldbestandes geführt hat. Jährlich gehen rund drei Prozent des Himalayawaldes verloren. Und jedesmal, wenn in einer der Unterkünfte für die Wanderer ein wärmendes Feuer entzündet oder Wasser für eine Dusche erhitzt wird, wird Holz verbraucht.

Die Leute von Area haben errechnet, daß die meisten Herbergen in Ghorepani während der Trekking-Saison täglich bis zu 220 Kilo, die auf dem höher gelegenen Pun Hill sogar bis zu 340 Kilo Brennholz verfeuern. Vergleicht man den Pro-Kopf-Verbrauch der westlichen Touristen mit dem der Einheimischen, so beanspruchen die Wanderer hier rund zehn- bis 15mal soviel Holz wie ein Nepali. Die Folgen sind in der Umgebung bereits deutlich zu sehen. Vor zehn Jahren, als nur eine Unterkunft für Trekker in Ghorepani bestand, erstreckte sich hier ein stattlicher Wald. Inzwischen hat der große Kahlschlag für die mehr als 20 Hütten nur noch kümmerliche Restbestände hinterlassen. Auf dem Abstieg vom Paß ins Kali-Gandaki-Tal passiert der Wanderer mehrere Stellen, an denen schwere Erdrutsche die Konsequenzen der Abholzung drastisch vor Augen geführt haben.