Hinzu kommt der schlechte Ruf der Politiker, deren Ansehen einen Tiefpunkt erreicht hat. In einer Emnid-Umfrage fiel den Befragten zum Stichwort Politik überwiegend Negatives ein: Unglaubwürdigkeit, Wählerbetrug, Schmiergeld, Selbstbedienung, Intrigen, Skandale. Zwar bezog sich diese Umfrage auf das Bundesgebiet, aber in Berlin wären die Ergebnisse sicher nicht besser. Das macht die Übernahme politischer Verantwortung nicht gerade erstrebenswert.

Der Ansehensverlust der Politik bereitet allen Parteien Sorge. Aber was sie selbst zur Hebung ihres Ansehens beitragen können, wissen sie nur vage. Vielleicht wären die offenere Aufarbeitung der wirklichen Skandale und die Aufklärung, welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind, ein erster Schritt. Hilfreich wäre auch ein Wahlkampf, der den politischen Verstand der Wähler ernst nimmt, statt durch Platitüden die Unentschiedenheit und damit die Stimmenthaltung zu fördern. "Ich höre von der CDU, daß sie sich manchmal auch einen Oberlehrer wünscht", erzählte dieser Tage Hans-Jochen Vogel selbstironisch einigen Berliner Genossen. Wenn damit mehr Aufklärung und ein altmodisches Ethos gemeint sein sollten, wäre das sicher die richtige Richtung.