Von Susanne Mayer
West-Berlin
Er war ein tapferer Mann. Der Saaldiener im Rathaus Wedding warf sich jener Gefahr entgegen, die seinen Herrschaften, der dezenten Schlipsriege hinter seinem Rücken, von dieser da drohte: ein schmächtiges Frauenzimmer von dunkler Hautfarbe und mit wilden Haarsträhnen wie Medusa, an der Hand zerrte sie ein Kind daher. Das hört auf den Namen Eyla, was soviel wie "Mondsichel" heißt.
Doch das weiß der Saaldiener natürlich nicht. Genauso wenig, wie er weiß, wie diese zwei es schaffen konnten, bis ins Zentrum seiner Macht, bis vor die Türen jenes Empfangs hervorzudringen, auf dem die Gläser zu Ehren des schwedischen Ministerpräsidenten Ingvar Carlsson gehoben werden. "Sie haben sich verlaufen!" zischt er in einem Versuch des Exorzismus, und drohend: "Gehen Sie!" Vergeblich! Schon sind sie drin, die beiden – "Es war ihnen allen so ungeheuer peinlich", lacht Sevim Çelebi-Gottschlich, und schaut aus, als müßte diese Szene auch ihr ein wenig peinlich sein. Doch dazu gibt es keinen Grund. Die Delegierte der Alternativen Liste (AL) im Berliner Abgeordnetenhaus hatte eine Einladung zu diesem Empfang (die so spät eintraf, daß sie für ihre Tochter keinen Babysitter mehr fand).